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22. Dezember 2011
Erneuerbare Energien
Windenergie
Windenergie

Wie wirkt sich Windenergie auf Gesundheit/Umwelt aus?

Die Windkraftanlagen der ersten Stunde waren vergleichsweise laut. Mittlerweile sorgen optimierte Rotorblattformen, bessere Dämmung und niedrigere Drehzahlen für eine deutlich reduzierte Geräuschkulisse.


Sind die Geräusche von Windkraftanlagen gesundheitsschädlich?
Die Windkraftanlagen der ersten Stunde waren vergleichsweise laut. Mittlerweile sorgen optimierte Rotorblattformen, bessere Dämmung und niedrigere Drehzahlen für eine deutlich reduzierte Geräuschkulisse. Ganz vermeiden lässt sich der Schall allerdings nicht, er ist konstruktionsbedingt. Wenn die einzelnen Propellerflügel den Turm passieren, wird die Luft komprimiert, das erzeugt Geräusche. Weil die Windräder sehr groß sind und sich langsam drehen, entsteht auch ein erheblicher Anteil an sogenanntem "Infraschall". Als Infraschall werden Schwingungen unterhalb einer Frequenz von 15 Hz bezeichnet. Der Mensch kann Infraschall kaum hören; bei sehr hohem Schalldruck kann er aber körperlich gefühlt werden. Laut Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) gilt Infraschall normalerweise bereits im Nahbereich von 100 Metern Abstand als unerheblich.

Nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) gibt es eine starke Abhängigkeit zwischen Wind und Lärm. Bei konstant hoher Windgeschwindigkeit bestehe eine andauernde Lärmemission, die in direkter Nachbarschaft belastend wirke. Allerdings verliere sich der Schall mit wachsender Entfernung zu den Anlagen schnell im Hintergrundrauschen von Verkehr, Industrie und lokalem Wind.

Der Bundesverband Windenergie (BWE) verweist auf detaillierte baurechtliche Vorschriften, die einzuhalten sind, wenn Windkraftanlagen errichtet werden. In der "Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm" (TA-Lärm) sei festgelegt, wie hoch die Geräuschbelastung in den verschiedenen Bebauungsgebieten sein darf. Daraus ergebe sich der notwendige Abstand eines Windparks. In der Regel beträgt der Abstand zu Wohngebäuden mindestens 500 Meter. Nach Einschätzung des BUND reicht das aus.

Welche Bedeutung hat die Verwendung von Neodym in Windkraftanlagen?
In Windkraftanlagen verschiedener Hersteller wird Neodym eingesetzt. Der Abbau dieses Metalls in China ist mit schweren Umweltbelastungen verbunden. In der Branche wird schon länger über die Problematik diskutiert, die breite Öffentlichkeit wurde aber erst durch einen Bericht des ARD-Fernsehmagazins Panorama darauf aufmerksam.

Chemisch gehört Neodym zur Gruppe der Lanthanoide, damit zählt es zu den Metallen der sogenannten "seltenen Erden". Aktuell kommt fast 100 Prozent der Weltjahresproduktion an seltenen Erden aus China. Bei Abbau und Aufbereitung der Erden fallen unter anderem radioaktives Uran und Thorium an. Aufgrund der mangelhaften Umweltstandards würden die Stoffe teilweise bis in das Grundwasser gelangen, berichtete Panorama.

Besonders interessant ist Neodym für die Windkraftbranche, weil es in Verbindung mit Eisen und Bor zu stärksten Magneten verarbeitet werden kann. Permanentmagnete aus Neodym-Eisen-Borverbindungen werden nicht nur für Windräder genutzt, sie kommen auch in zahlreichen anderen Produkten zum Einsatz, beispielsweise in Kernspintomografen, CNC-Maschinen oder Lautsprechern.

Die Windkraftanlagenbauer nutzen die Permanentmagnete für ihre getriebelosen Turbinen. Diese sind leichter und gelten gegenüber herkömmlichen Modellen als wartungsfreundlicher. "Nur 0,4 Prozent der weltweiten Neodymproduktion wurden 2010 durch die europäische Windkraftindustrie verwendet", erklärt Peter Sennekamp, Sprecher des Europäischen Windkraftverbands EWEA (European Wind Energy Association). In 2020 werde der Anteil voraussichtlich bei 0,98 Prozent liegen. Sein Verband sei besorgt über die Berichte aus China, so Sennekamp, man bemühe sich darum, weitere Bezugsquellen für seltene Erden zu erschließen. Nur gut 30 Prozent der weltweit bekannten Reserven lägen in China. Mögliche Förderländer mit höheren Umweltstandards sind demnach Australien, die USA und Grönland.

Welche Bedeutung hat Neodym für die einzelnen Windkraftproduzenten? Der deutsche Marktführer Enercon aus Leer kommt für seine Turbinen ohne das umstrittene Material aus. Gleiches gilt für den Hamburger Konkurrenten Repower Systems AG. Anders die ebenfalls in Hamburg ansässige Nordex SE. Zwar wird Neodym in den aktuellen Modellen des Herstellers nicht verwendet. "Bei unseren künftigen Offshoreanlagen wollen wir aber einen neuartigen Generator einsetzen. Diese Komponente enthält derzeit seltene Erden", erklärt Nordex-Sprecher Ralf Peters. Die einseitige Versorgungslage sei erst durch die Entscheidung Chinas entstanden, den Preis drastisch zu senken. Damit seien andere Produzenten aus dem Markt gedrängt worden. Bevor die Chinesen kamen, lag der Preis bei 300 Dollar pro Kilogramm, zwischenzeitlich nur bei zirka 20 Dollar. In diesem Herbst wieder bei bis zu 180 Dollar "Wir gehen davon aus, dass ein ökologisch vertretbarer Abbau zu höheren aber vertretbaren Preisen möglich sein wird." Darum will Nordex sich seinen Angaben zufolge aktiv bemühen. Der Weltmarktführer bei Windkraftanlagen, die dänische Vestas Wind Systems A/S, produziert an drei Standorten in Deutschland. Im laufenden Jahr will Vestas eigenen Angaben zufolge mit der Serienproduktion von Anlagen des Typs V112 beginnen, in diesen komme Neodym zum Einsatz. Ziel sei es aber, die Nutzung seltener Erden und deren Auswirkungen auf die Umwelt, wo immer möglich einzuschränken, so Vestas. Aktuell prüfe man die Verwendung von recyceltem Neodym. Zudem werde nach leistungsfähigen alternativen Technologien als Ersatz für Neodym geforscht.

Siemens nutzt Neodym bereits für seine getriebelosen Windturbinen. "Wir gehen davon aus, dass zukünftig ein verstärkter Einsatz von Neodym-Eisen-Bor-Magneten notwendig ist", sagt Eva-Maria Baumann, Pressesprecherin des Münchener Elektronikriesen. Siemens stelle hohe Anforderungen zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz an seine Lieferanten. Um Umweltaspekte noch stärker zu berücksichtigen, suche man zudem verstärkt nach alternativen Bezugsquellen. Mithilfe von Innovationen hofft das Unternehmen, den Bedarf an Neodym zu verringern. Neue technische Konzepte sollen gar den Verzicht auf das Material möglich machen.

Auch bei der deutschen Tochter des US-Technologiekonzerns General Electric (GE) kommt Neodym zum Einsatz. Nach Angaben von Karin Funke-Rapp, Sprecherin von GE Wind Energy aus Salzbergen, enthalten die Generatoren der Baureihe 2.5 MW und der Offshoreanlage 4.1 MW Neodym. Anlagen vom Typ 1.5 MW seien nicht betroffen. "Von weltweit rund 16.000 installierten Anlagen kommen rund 15.000 aus der Baureihe 1.5, so Funke-Rapp.

Sind Vögel durch Windanlagen gefährdet?
Alles kein Problem, so beantwortet der Bundesverband Windenergie die Frage nach Gefahren für Vögel durch Windräder. Zahlreiche Studien hätten gezeigt, dass es kaum "Vogelschlag" gebe. Viel gefährlicher seien Straßen, Hochspannungsleitungen und andere hohe Bauten. Im Bereich von Natur- und Vogelschutzgebieten würden keine Windkraftanlagen errichtet, zudem müsse für jedes neue Vorhaben eigens ein Gutachten zum Vogelschutz erstellt werden.

Die beiden großen Naturschutzverbände Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) und Naturschutzbund Deutschland (Nabu) unterstützen den Ausbau der Windenergie. Der BUND erklärt, die Konflikte der Windenergie mit dem Vogelschutz seien "sehr gering". Sie betreffen demnach wenige besondere Orte und wenige besonders gefährdete Vogelarten, dort dürften keine Windkraftanlagen gebaut werden. Der Bund nennt unter anderem Biosphärenreservate der Zone I+II, Brut-, Nahrungs- und Rastplätze sowie wesentliche Vogelzugstraßen. Kritischer beurteilt der Nabu die Gefahren, denen Vögel durch Windräder ausgesetzt sind. Wenn die Tiere die Anlagen meiden, schrumpfe ihr Lebensraum. Tun sie dies nicht und halten sich im Bereich der Rotoren auf, steige das Kollisionsrisiko, so der Nabu. In Deutschland seien bis zum 18. Januar 2011 insgesamt 163 Mäusebussarde, 146 Rotmilane und 57 Seeadler als Opfer von Windenergieanlagen gemeldet worden.

Die Naturschützer fordern eine lange Liste von Maßnahmen zum Vogelschutz im Zusammenhang mit der Windenergienutzung. So seien Waldstandorte für Windräder "in den meisten Fällen nicht zu rechtfertigen". Die Kernbrutgebiete von Rotmilan und Wiesenweihe bedürften besonderen Schutzes. Komplett auszuschließen seien Standorte innerhalb von Europäischen Vogelschutzgebieten und Gastvogellebensräumen, Naturschutzgebieten, Nationalparks, Kernzonen von Biosphärenreservaten und bestimmten Meeresschutzgebieten. "Die Windenergienutzung sollte sich auf bereits durch vorhandene Infrastruktur oder intensive landwirtschaftliche Nutzung vorbelastete Standorte beschränken", so der Nabu.




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