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22. Dezember 2011
Erneuerbare Energien
Windenergie
Windenergie

Warum wird teurer Windstrom nicht gespeichert?

Windenergie wird nicht aus Steuermitteln gefördert. Vielmehr verkaufen die Anlagenbetreiber den Strom zu einem durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz geregelten Preis an die Netzbetreiber.


Weshalb wird Windstrom eigentlich nicht gespeichert, wenn der Wind stark weht und zeitweilig für ein Überangebot an Strom sorgt?
Weil die Politik das derzeit nicht will. Laut Informationen des Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE), Berlin, bietet das Stromversorgungssystem schon heute ausreichende Speicherkapazitäten für mehr Flexibilität. Demnach stehen rund zehn Gigawatt Speicher- und Pumpspeicherwasserkraftwerke zur Verfügung. Dies entspreche der Leistung von zwölf Kohlekraftwerken.

Die Speicher werden derzeit aber genutzt, um überschüssigen Atomstrom zu speichern, dieser kann dann zu einem späteren Zeitpunkt zu einem höheren Preis verkauft werden. In ihrer Antwort auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen (17/3003) erklärte die schwarz-gelbe Bundesregierung im Dezember 2010 unverblümt, dass sie an dieser Praxis nichts zu ändern gedenkt. "Die Bundesregierung plant nicht, die zurzeit für die Zwischenspeicherung von Atomstrom genutzten Kapazitäten in Pumpspeicherkraftwerken für die Speicherung von überschüssigem Strom aus Wind und Sonne umzuwidmen", heißt es lapidar. Auch die Nutzung von deutschen Pumpspeicherkraftwerken für die Zwischenspeicherung von französischem oder tschechischem Atomstrom werde man nicht unterbinden. Das sei "unvereinbar mit den Vorschriften zum europäischen Binnenmarkt".

Für eine 100-prozentige Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen müssten in Deutschland allerdings erhebliche zusätzliche Kapazitäten zur Energiespeicherung geschaffen werden. Die Vorschläge dazu sind vielfältig. Zu nennen sind unter anderem: neue Pumpspeicherkraftwerke; Batterien von Elektrofahrzeugen; Wasserstoff; Methangas im Erdgasnetz, Druckluftspeicherkraftwerke; Stromaustausch mit Skandinavien und den Alpenländern. Die Speicherung ist teuer. Laut Angaben des VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik kostet bereits die stundenweise Speicherung in Pumpspeicherkraftwerken mindestens drei Cent pro Kilowattstunde (kWh). Für Wasserstoff nennt der VDE einen Preis von 24 Cent/kWh. Innerhalb von zehn Jahren könnten sich die Kosten durch Massenproduktion und technischen Fortschritt aber mehr als halbieren, heißt es.

Für interessant halten die Fachleute die Speichermöglichkeiten, die sich im Zuge der wachsenden Elektromobilität ergeben könnten. Ein Marktanteil der Elektrofahrzeuge von zehn Prozent biete etwa Speicherkapazitäten im Umfang der heute in Deutschland vorhandenen Pumpspeicher, so der VDE. Der Verband hält allerdings eine Anschubförderung für die Entwicklung neuer Speichertechnologien für notwendig. Neben direkter Forschungsförderung sollten dafür Anreizprogramme nach dem Vorbild des EEG geschaffen werden.

Die meisten Konzepte für die Energiespeicherung setzen auf kapitalintensive Großspeicher. Dipl.-Ing. Wolf von Fabeck vom Aachener Solarenergie-Förderverein (SFV) favorisiert dagegen ein Graswurzelkonzept. Kern des Modells seien dezentrale Tag-Nacht-Speicher mit modernen Batterien und einem Steuerungsprogramm, sagt von Fabeck. Die Speicher sollen direkt beim Verbraucher stehen. Von Fabeck: "Kurze Entfernungen zwischen Erzeuger, Speicher und Verbraucher vermindern den Leitungsbau." Finanzieren will er das Speichernetzwerk über einen dynamischen Strompreis; ähnlich wie an der Börse würde der Preis bei Leistungsüberschuss sinken und bei Bedarfsspitzen steigen. Die gespeicherte Energie ließe sich somit teurer verkaufen. Die Möglichkeit der dezentralen Stromspeicherung sei totgeschwiegen worden, so von Fabeck: "Die konventionelle Energiewirtschaft hat bislang erfolgreich verhindert, dass es ein tragfähiges Konzept zur Speicherung von Strom aus Wind- und Solarkraftwerken gibt." Ziel der Unternehmen sei es, sich auch in Zukunft das Eigentum an den entscheidenden Energiegewinnungs- und Verteilungsanlagen zu sichern. Deshalb würden sie sich für ein europaweites Fernübertragungsnetz (Supergrid) einsetzen. Und das könne nur die Energiewirtschaft selbst aufbauen.

Weshalb wird die Windenergie so hoch subventioniert und warum ist sie so teuer?
Hier gilt es zunächst einmal, die Begrifflichkeiten sauber voneinander zu unterscheiden: Die Windenergie wird nicht aus Steuermitteln gefördert; vielmehr verkaufen die Anlagenbetreiber den Strom zu einem durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geregelten Preis an die Netzbetreiber. Diese wiederum belasten ihren Stromkunden die anfallenden Mehrkosten. Laut Angaben des Bundesverbands Windenergie (BWE) belaufen sich die jährlichen Mehrkosten eines durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalts auf 37 Euro bei einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden.

Im Unterschied zur Windenergie haben Kohle- und Atomkraftwerke über Jahre hinweg tatsächlich Subventionen erhalten. Wie der BWE berichtet, hat das Umweltbundesamt errechnet, dass der Staat allein der heimischen Stein- und Braunkohle aktuell noch mit rund zwei Milliarden Euro pro Jahr unter die Arme greift. Ermäßigungen und Erstattungen bei Energiesteuern würden sich auf weitere rund vier Milliarden Euro summieren.

Bleibt der Vorwurf, Windstrom sei besonders teuer. Bei Berechnungen, die dies zum Ergebnis haben, werden meist wesentliche Aspekte ausgeblendet. Die sogenannten "externen Kosten" bleiben außen vor. Sie ergeben sich beispielsweise aus den Umweltfolgen des Braunkohletagebaus oder Sanierungsaufwendungen für das Atommülllager Asse. Die milliardenschwere Rechnung dafür bezahlen die Steuerzahler.

Auch der weltweite Klimawandel kommt die Gesellschaft teuer zu stehen. Laut Informationen des BWE haben das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ermittelt, dass eine Tonne CO2-Emissionen 70 Euro kosten müsste. Die externen Kosten der Stromerzeugung in modernen Braun- und Steinkohlekraftwerken beliefen sich damit auf sechs bis acht Cent je Kilowattstunde. Windstrom liege bei den externen Kosten weit unter einem Cent je Kilowattstunde. Ergebnis dieser nachhaltigen Berechnung: Windstrom ist wesentlich billiger als Kohlestrom.




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