Fragwürdige CO2-Speicherung
Geologische Speicherung

|
Der schwierigste und unsicherste Teil
|
Bei der CCS (Carbon Storage and Capture)-Technik wird das CO2 aus der Kohlekraftgewinnung in die Erde gepresst. Dort soll es tausende Jahre lagern, statt den Klimawandel weiter voranzutreiben. Foto: Vattenfall
|
Wie auch immer der Streit über die seltsamen Gasaustritte in Weyburn enden wird: Wegen der möglichen Umweltauswirkungen ist die geologische Speicherung der schwierigste und unsicherste Teil des CCS-Verfahrens. Das beginnt bereits bei der Suche nach geeigneten Deponien. Als eine Möglichkeit bieten sich erschöpfte Gas- oder Ölfelder an. Die sind als Endlager auch deshalb so interessant, weil sie durch die CO2-Verpressung noch wirtschaftlicher genutzt werden können.
Hierzulande sind die meisten potenziellen Lagerstätten aber sogenannte salinare Aquifere - poröse, mit Salzwasser getränkte Sandsteinschichten in einer Tiefe von mehreren Hundert Metern. Eine dichte Tondecke schirmt sie von den oberen Grundwasserstockwerken ab. Bei der Einlagerung kommt es nun darauf an, diese Barriere so wenig wie möglich zu beschädigen. Über Bohrungen, die wie Nadelstiche in die Tiefe dringen, wird das flüssige Treibhausgas quasi in den Untergrund injiziert, wo es - im Salzwasser gelöst - nicht mehr entkommen kann.
So zumindest wünschen es sich die Geologen. Die Experten der BGR gehen davon aus, dass am Standort Deutschland in solchen Aquiferen höchstens 50 bis 75 Millionen Jahrestonnen CO2 gespeichert werden können. Hochgerechnet auf einen Zeitraum von 40 Jahren - also der üblichen Laufzeit einer Industrieanlage - kommt man auf eine Gesamtmenge von etwa drei Milliarden Tonnen. Grob geschätzt entspricht das etwa einem Fünftel des aus deutschen Kraftwerken ausgestoßenen Treibhausgases. Den Rest müsste man wahrscheinlich nach Nordeuropa exportieren. Beispielsweise könnte man das Klimagift hinaus in die Nordsee schippern, wo von Ländern wie Norwegen oder Dänemark zurzeit große Öl- und Gasfelder ausgebeutet werden.
Doch egal ob das Kohlendioxid irgendwann einmal unter dem Meeresboden oder im Untergrund der norddeutschen Tiefebene landet: Bevor es so weit ist, müssen die Forscher noch etliche Probleme lösen. Ein Beispiel: In Deutschland hat man auf der Suche nach Erdgas oder anderen Rohstoffen bereits an vielen Stellen den Bohrer angesetzt. Fachleute berichten, dass große Flächen regelrecht zerlöchert sind. Und niemand weiß genau, ob die alten Bohrverschlüsse stabil genug sind, um dem Kohlendioxid dauerhaft standzuhalten. Im Gegenteil: Es ist noch nicht einmal klar, wie die neuen Injektionsstellen über Jahrtausende sicher abgedichtet werden können. Und verunreinigtes CO2 zernagt nicht nur Dichtungen oder Bohrverschlüsse. Es greift genauso die natürlichen Gesteinsschichten an - ein zusätzliches Risiko für die Sicherheit der Speicherstätten.
Schließlich ändern sich durch die Verpressung auch die Druckverhältnisse im Untergrund. Wenn das Gas in die Gesteinsporen dringt, muss das Salzwasser irgendwohin entweichen. Es könnte beispielsweise in höher gelegene Süßwasserschichten gelangen und auf diese Weise das Brauch- und Trinkwasser dauerhaft verschmutzen. Für die Anwohner in den betroffenen Gebieten ist das eine Horrorvision. Nach Meinung des Technologieexperten Kreibich ist auch noch längst nicht geklärt, wie es im großtechnischen Maßstab überhaupt gelingen soll, die CO2-Speicher umfassend zu überwachen: "Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie man in zwei bis drei Kilometer Tiefe die Verschiebung und Diffusion der Gasmassen ständig kontrollieren will. Man muss ja eine riesige Fläche permanent unter Beobachtung haben - im Untergrund genauso wie an der Oberfläche. Dafür sind bisher überhaupt noch keine Techniken vorhanden. Und das dürfte auch enorm teuer werden."
» weiter auf der nächsten SeiteInhaltsverzeichnis» Übersicht» In der Kritik - Die CCS-Technologie
» Ein tückisches Gift - Tödlich für Mensch und Tier
» Schmaler Grat - Zwischen Sicherheit und Wirtschaftlichkeit
» Parallelen zur Atomdebatte - Es geht um einen Problemstoff
» Geologische Speicherung» Offene Frage - Warum eine Technik, die in den Kinderschuhen steckt?
» Interview - "Die CCS-Technologie hat in Europa keine Chance"
Hier können Sie unsere Arbeit freiwillig unterstützen:

Dieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.
Informationen anzeigen
Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
- die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
- aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
- neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
- aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.
Mehr Artikel zu diesem Themengebiet
Teppichböden, Kunststoff:
Von der RolleMottenschutzmittel:
Die kleine Motte NimmersattHeckenscheren:
Ab durch die HeckeWandfarben:
ErhellendAkkubohrschrauber:
Durch die WandWarenkunde Bodenbeläge:
Grundlegende EntscheidungUrban Farming:
Landbau mitten in der StadtDas Stromnetz der ZukunftSchadstoff-Check:
Schadstoffe in der WohnungKüchentrends:
Schöne neue KochweltenLeserfrage: Kübelpflanzen im WinterLeserfrage: Stinke-Regal muss draußen bleibenLeserfrage: Seife hilft gegen das KnarrenLeserfrage: Stromsparen durch Dimmen?Leserfrage: Kostenlose Filme im Internet