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13. September 2010
Staatlich geförderte Altersvorsorge
Schlimmes Erwachen
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Weniger Rente als versprochen

Die Versicherten können sich nicht auf die prognostizierten Leistungen verlassen. Die Rente fällt oft weitaus karger aus als erwartet.


Welch üble Überraschungen diese Kalkulationspraxis im Einzelfall bergen kann, zeigt sich meist erst im Rentenbezug. Dann stellen viele Kunden erschrocken fest, dass ihnen von den bei Vertragsabschluss versprochenen Überschüssen nur wenig bleibt. Besonders ärgerlich ist das bei Policen mit Einmalbeitrag, bei denen die Zusatzrente bereits unmittelbar oder kurz nach Einzahlung eines größeren Einmalbetrages fließen soll. Wegen des kurzen Zeitraums zwischen Vertragsabschluss und Rentenbeginn setzen Verbraucher ein höheres Vertrauen in die Modellrechnungen. Ihre Annahme: Wenn nur wenig Zeit zwischen Vertragsabschluss und Rentenbeginn liegt, sollten die Versicherer nicht nur die garantierten, sondern auch die prognostizierten Leistungen verlässlich kalkulieren können.

Doch weit gefehlt, wie ÖKO-TEST im Januar 2009 am Beispiel eines 55-jährigen Rentners aufzeigte. Der hatte der 200.000 Euro als Einmalbeitrag in eine Rentenpolice investiert. Statt der versprochenen 1.448 Euro Monatsrente wollte ihm der Versicherer jedoch nur die Garantierente von rund 971 Euro plus 116 Euro Überschuss, also rund 1.087 Euro zahlen. Begründung: Zwischen Vertragsabschluss und Rentenbeginn wurden die Sterbetafeln geändert. Weil der Kunde womöglich länger leben könnte als der Versicherer bei Vertragsabschluss annahm, wurde die Überschussrente daher drastisch gekürzt. Das Geld wollte der Versicherer für die etwaige längere Zahldauer der Garantierente verwenden. „Das lassen die Vertragsbedingungen aber eigentlich nicht zu“, kritisierte ÖKO-TEST seinerzeit. Denn im Kleingedruckten der Police stand ausdrücklich, dass die Überschüsse ausschließlich zur sofortigen Erhöhung der Rente zu verwenden sind.

Ein neues Urteil des Bundesgerichtshof vom 8. Juli 2009 (AZ: IV ZR 102/06) gibt ÖKO-TEST Recht: Wenn vereinbart wird, dass aus den Überschussanteilen eine zusätzliche Rente gebildet wird, darf der Versicherer die erzielten Überschüsse nicht verwenden, um Lücken in der Deckungsrückstellung für die garantierte Rente zu füllen, stellten die Karlsruher Richter ausdrücklich klar. Wenn der Versicherer für die garantierte Rente weitere Mittel dafür auf die hohe Kante legen muss, darf er dem Kunden nicht einfach die Überschüsse kürzen. Vielmehr muss er das Geld gegebenenfalls von seinen Aktionären fordern, so der BGH.

In jedem Fall geht es um viel Geld. Denn ob eine Riester-Rente von 320 Euro, die ein heute 30-jähriger Familienvater mit 30.000 Euro Monatseinkommen ab 67 erhalten kann, 27,2 Jahre an ihn gezahlt wird – wie die Versicherer unterstellen - oder nur 17,8 Jahre – wie ÖKO-TEST in seinen Berechnungen angenommen hat, macht in der Summe glatt 36.096 Euro aus. Hoch gerechnet auf mittlerweile 10,13 Millionen Riester-Verträge, die die Versicherungsbranche abgeschlossen hat, könnte das ein Volumen für Risikogewinne von 365,5 Milliarden Euro alleine aus Riester-Verträgen ergeben. Davon gehen 25 Prozent – also 91,4 Milliarden Euro an die Versicherer. Hinzu kommen die Rürup-Renten und die betrieblichen Verträge.




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Inhaltsverzeichnis

» Übersicht
» Zögernde Abschlüsse - Lange Mängelliste bei Riester-Produkten
» Tricksereien - Suche nach passender Riester-Rente gleicht Lotterie
» Intransparenz inklusive - Zu wenig Informationen über Kosten
» Verpuffte Förderung - Immer weniger Leistung bei Fondstarifen
» Hohe Verwaltungskosten - Viele Anbieter zocken kräftig ab
» Schlimmes Erwachen
» Überarbeitung erforderlich - Übervorsichtige Kalkulation bringt Milliarden
» Altersvorsorgekonto - Ein Konto für alles
» Viele Pluspunkte - Auch Betriebsrenten werden portabel
» Glossar - Die verschiedenen Altersvorsorgemöglichkeiten

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Wichtige InformationenDieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.

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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
  • die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
  • aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
  • neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
  • aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.


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