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19. Mai 2010
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Neues Abfallgesetz hinkt der Entwicklung hinterher

Das neue Abfallgesetz in der Kritik: Prof. Bernd Bilitewski von der TU Dresden hält es für überholt.

Professor Bernd Bilitewski hat den Lehrstuhl für das Fach Abfallwirtschaft an der TU Dresden inne und ist unter anderem Mitherausgeber des Standardwerks Müll-Handbuch.

ÖKO-TEST: Das neue Abfallgesetz setzt bis 2020 eine Recyclingquote von 65 Prozent für Siedlungsabfälle fest. Genügt das?

Bilitewski: Diese 65 Prozent laufen der Entwicklung hinterher. Wir haben die Quote schon so gut wie erreicht, insofern haben wir es nicht mit einem ambitionierten Vorwärts zu tun, sondern mit einer Bestätigung des Status quo.

ÖKO-TEST: Was müsste denn geschehen, damit die Recyclingquote weiter ansteigt?

Bilitewski: Die kräftigste Wirkung hätte ein Schließen der Deponien, denn das ist noch immer die günstigste Art der Entsorgung. Ein nächster Schritt wäre, die Preise zu erhöhen. Um uns herum haben alle Länder bereits eine Abfallabgabe eingeführt. Die Logik ist ganz einfach: Wer lieber entsorgen möchte, statt zu recyceln, muss demnach zahlen – dieser ökonomische Hebel hilft ganz sicher. 50 bis 60 Kilogramm Restabfall pro Person wären durchaus zu schaffen, im Moment sind wir bei Stadtbewohnern teilweise noch bei 120 bis 200 Kilogramm.

ÖKO-TEST: Wie hoch ist der Anteil des Abfalls, der nur noch verbrannt werden kann und nicht mehr zu recyceln ist?

Bilitewski: Rein theoretisch ist eine 100-prozentige Wiederverwertung möglich. Praktisch ist das schwierig. Die Aufarbeitung und Reinigung ist nicht immer wirtschaftlich möglich, außerdem enthält Abfall auch Schadstoffe, etwa organische Komponenten oder Schwermetalle, die durch das Recycling wieder zurück in den Kreislauf geführt werden. Manchmal hilft wirklich nur noch das thermische Zerstören. Aber je besser die Wiederverwertungs- und Reinigungstechniken werden, desto mehr kann man aus dem Abfall herausholen.

ÖKO-TEST: Viele Menschen sind immer noch der Überzeugung, Mülltrennung lohne sich nicht, weil eh alles wieder zusammengekippt wird.

Bilitewski: Das ist wirklich Unsinn. Getrenntes Sammeln ist immer noch das Beste. Je besser jeder trennt, desto einfacher können die Rohstoffe sortiert und wiederverwertet werden. Und es ist schon ein Unterschied, ob man 150 Kilogramm Restmüll etwa auf Polypropylen und Polyethylen untersuchen muss – oder nur 25 Kilogramm Gelber-Sack-Müll.

( oet )


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Wichtige InformationenDieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.

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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
  • die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
  • aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
  • neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
  • aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.




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