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15. März 2010
Über ÖKO-TEST - Wirksamkeit
Vorwurf
Vorwurf

Warum untersucht ÖKO-TEST nicht die Wirksamkeit?

Zahnpasten, die kein Fluorid enthalten, bekommen von ÖKO-TEST kein "sehr gut", denn ihnen fehlt der entscheidende Wirkstoff. Die Ausnahme sind Kinderzahnpasten.
Foto: ccvision.de


Das ist falsch. Selbstverständlich untersucht ÖKO-TEST,
• wie gut Waschmittel waschen,
• ob ein Autokindersitz die Kleinen bei einem Unfall wirklich schützt,
• wie viel Flüssigkeit Katzenstreu aufnimmt,
• ob Matratzen ergonomisch günstig sind,
• wie gut Akkubohrer mit Holz, Beton oder Metall fertig werden,
• und vieles mehr.

Der Vorwurf der fehlenden Wirksamkeitstests wird vor allem in Bezug auf Kosmetika erhoben – und ist auch hier nicht richtig. Generell gilt, dass die mögliche Wirkung von Kosmetika per Gesetz eng begrenzt ist. Sie muss sich auf die obere Hautschicht beschränken.

Anti-Falten-Cremes dürfen daher schon per Gesetz nicht gegen Falten wirken, denn die entstehen in viel tieferen Hautschichten. Zudem: Die ehemals Faltenlosen und Reichen würden sich sicherlich nicht mit Botox vollpumpen und unters Messer legen, wenn sie sich gegen ihre Falten auch einfach etwas Creme ins Gesicht schmieren könnten.

Trotzdem werben Kosmetikhersteller oft mit Tests, die die Anti-Falten-Wirkung belegen sollen. Bei solchen Tests – oft in Ländern des ehemaligen Ostblocks durchgeführt – wird gern getrickst. Trinken beispielsweise die am Test beteiligten Frauen zwei, drei Tage nichts, bekommt ihre Haut aufgrund des Wassermangels tiefe Falten. Wird dann eine Anti-Falten-Creme aufgetragen, glättet sich die Haut durch die Feuchtigkeitszufuhr tatsächlich sichtbar.

Doch auch ohne solche Tricks sind solche Tests schlicht Verbrauchertäuschung. Sie zeigen allenfalls kurzfristige Effekte. Die Wirkung hält nur so lange an, wie die Creme benutzt wird. Die Feuchtigkeitsanreichung durch Feuchtigkeitscremes beispielsweise ist schon nach einigen Stunden nicht mehr nachweisbar. Langfristige Effekte würden sich nur durch jahrelang laufende kontrollierte Studien nachweisen lassen. Oder man schaut sich – wie ÖKO-TEST das macht – die Rezepturen und die Inhaltsstoffe genauer an. Enthält eine Creme beispielsweise natürliche Öle und Wachse, pflegt sie die Haut langfristig besser als eine Creme auf der Basis von Erdölprodukten. Denn natürliche Öle und Wachse integrieren sich messbar besser in das Gleichgewicht der Haut.

Eine Anti-Faltencreme, die das sehr gut wirkende Konservierungsmittel Formaldehyd enthält, scheidet nicht nur beim Haltbarkeitstest besser ab als ein nicht oder nur sanft konserviertes Produkt. Eine solche Creme kann kurzfristig sogar sehr gute Ergebnisse bei der Feuchtigkeitsanreichung erzielen, auch wenn sich im Normalfall die Faltentiefe nur um Mikrometer verringert, also im messbaren, aber kaum wahrnehmbaren Bereich. Viel entscheidender ist jedoch ein langfristiger Effekt. Formaldehyd löst nicht nur Allergien aus und ist krebsverdächtig. Es wird auch zur Ledergerbung eingesetzt, weil es Eiweiß vernetzt. Das ist der gleiche Prozess, der Falten entstehen lässt. Langfristig verhindert eine formaldehydhaltige Anti-Faltencreme trotz kurzfristig möglicherweise positiver Effekte keine Falten, sondern verstärkt die Faltenbildung.

Die besten Mittel gegen Falten sind ohnehin gesunde Ernährung, genügend Schlaf, nicht zu rauchen und regelmäßig zu sporteln. Doch die natürliche Hautalterung ist auch durch die gesündeste Lebensweise und die beste Creme nicht aufzuhalten.

Zahnpasten: Anders als für Cremes fällt die Antwort für Zahnpasten aus. Zahnpasten sollen vor allem Karies verhindern helfen. Dafür enthalten sie unterschiedliche Fluoridverbindungen, die sich in ihrer Wirksamkeit kaum voneinander unterscheiden. Allerdings gibt es auch Zahnpasten auf dem Markt – zumeist von Naturkosmetikherstellern – die kein Fluorid enthalten. Sie können von ÖKO-TEST auch kein "sehr gut" bekommen, denn ihnen fehlt der entscheidende Wirkstoff.

Eine Ausnahme machen nur Kinderzahnpasten. Hier gibt es einen bis heute nicht entschiedenen Streit zwischen Zahnärzten und Kinderärzten um die richtige Kariesprophylaxe: Mit fluoridierter Zahnpasta oder mit Fluoridtabletten. Sicher ist nur: Beides zusammen ist schnell zu viel und führt zu Fluorose, das sind weiße Flecken auf den Zähnen. Daher rät ÖKO-TEST, das eine oder das andere zu machen – und bewertet auch Kinderzahnpasten ohne Fluorid mit "sehr gut".

Nicht untersucht wird bei Zahnpasten die Reinigungswirkung. Denn zum einen erbringen die Tests oft unterschiedliche, nicht nachvollziehbare Ergebnisse für ein und die gleiche Zahnpasta. Zum anderen hängt die Reinigungswirkung auch stärker von der Putztechnik des Anwenders als von der Zahnpasta ab.

Sonnenschutzmittel: Testmethoden, die kaum oder nur schwer verwertbare Ergebnisse bringen, sind ein Grund dafür, dass ÖKO-TEST bei Sonnenschutzmitteln die Schutzwirkung nicht untersucht. Außerdem erfordert der Test, Versuchspersonen so lange zu bestrahlen, bis sie einen leichten Sonnenbrand haben. Beide Probleme umgehen wir, indem wir empfehlen, die versprochene Schutzwirkung nicht voll, sondern nur zu 60 Prozent auszunutzen. Viel wichtiger als die Frage, ob der angegebene Schutzfaktor im Test zu 100 oder nur zu 90 Prozent erreicht wird, ist ohnehin ein anderes Problem: Die meisten Menschen cremen sich viel zu dünn ein, sodass der Schutzfaktor daher nicht erreicht wird.

Deos: Auch bei Deos erübrigt sich unserer Meinung nach ein Test der Wirksamkeit. Denn klar ist: Die Leistung der von ÖKO-TEST mit "sehr gut" getesteten Deos – oft, aber nicht nur von Naturkosmetikherstellern – reicht nicht an die Leistung der Produkte von konventionellen Herstellern. Wer stark schwitzt, muss ausprobieren, ob die adstringierende Wirkung von natürlichen Substanzen ausreichend ist. Ansonsten bleiben nur herkömmliche Antitranspirantien mit Aluminiumsalzen, die die Schweißdrüsen stark zusammenziehen (adstringieren) und so den Schweißfluss unterdrücken, aber auch zu Entzündungen der Drüsen führen können. Das Gleiche gilt für die Entstehung des Schweißgeruchs. Herkömmliche Deos töten die Bakterien. Doch die antibakteriellen Substanzen sind oft gesundheitlich bedenklich.

Mückenschutzmittel: Anders als immer wieder berichtet, werden wirkungslose Mückenmittel von uns nicht mit "sehr gut" bewertet. ÖKO-TEST hat mehrfach die Schutzwirkung von Produkten auf der Basis von natürlichen Abwehrduftstoffen untersucht. Dabei hat sich gezeigt, dass die Naturprodukte Mücken durchaus fernhalten. Allerdings lässt ihre Wirkung nach etwa zwei Stunden nach, während Produkte mit nervenschädigenden Substanzen wie DEET mehr als fünf Stunden lang schützen.

Schuppenshampoos: Oft wird ÖKO-TEST kritisiert, weil wir bei Schuppenshampoos keine Wirksamkeitstest durchführen. Unbestritten ist, dass es Substanzen gibt, die den lästigen Schnee wirksam bekämpfen. Doch die Wirkstoffe selbst sind nicht unproblematisch. Climbazol gehört zu den halogenorganischen Verbindungen und kann im Körper das krebsverdächtige Chlorphenol abspalten. Kosmetika, deren Climbazolgehalt einen Anteil von 0,5 Prozent überschreitet, dürfen daher in Deutschland seit Juni 2008 nicht mehr an den Endverbraucher verkauft werden. Selendisulfid soll eine erhöhte Talgproduktion reduzieren. Denn Talg bietet den für die Schuppenbildung verantwortlichen Hefepilzen einen idealen Nährboden. Selendisulfid wirkt so stark, dass Dermatologen empfehlen, die Substanz nur in medizinischen Produkten für sehr ernste Fälle zu verwenden. In freiverkäuflichen Schuppenshampoos ist Selendisulfid nur bis zu einer Konzentration von einem Prozent zugelassen. Zudem muss auf die Shampooflasche der Warnhinweis: Enthält Selendisulfid, Kontakt mit Augen und gereizter Haut unbedingt vermeiden. Zinkpyrithion hemmt die Zellteilung eines bestimmten Hefepilzes und dadurch die Schuppenbildung. Doch die Kopfhaut kann auf diesen Wirkstoff sensibel und gereizt reagieren, was sich in Jucken, Ausschlag und Entzündungen äußert.

Weil zudem unbestritten ist, dass die Schuppen bei einem Wechsel des Shampoos zurückkommen, verzichten wir auf eine Untersuchung der "Wirksamkeit". ÖKO-TEST rät vielmehr, die Ursachen der Schuppenbildung zu suchen und ein mildes "normales" Shampoo zu verwenden, das die Kopfhaut nicht zusätzlich reizt.



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Inhaltsverzeichnis

» Übersicht
» Vorwurf
» Gefahr - Macht mit Pestiziden belastetes Obst krank?
» Obst und Gemüse - Welchen Sinn macht es, frische Ware zu testen?
» Überflüssige Lebensmittel - Warum testet ÖKO-TEST diese Produkte?
» Bsp. Lippenstift - Sind Ergebnisse auf eine andere Farbe übertragbar?
» Schadstoffe - Warum werden Testkriterien immer wieder geändert?
» Fairness - Warum erfahren die Hersteller vorab die Testergebnisse?
» Glaubenskrieg - Warum testet ÖKO-TEST Discounterprodukte?

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Wichtige InformationenDieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.

Informationen anzeigen

Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
  • die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
  • aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
  • neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
  • aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.

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