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15. März 2020
Über ÖKO-TEST - Stiftung Warentest
Nicht einig
Nicht einig

Warum unterscheiden sich die Testergebnisse?

Die Stiftung Warentest legt ihr Augenmerk bei Tests von Lebensmitteln mehr auf Fragen der Sensorik, während ÖKO-TEST mehr auf Inhalts- und Schadstoffe achtet.


Dass ÖKO-TEST und die Stiftung Warentest oft zu unterschiedlichen Testergebnissen kommen, kann mehrere Ursachen haben. Oft sind es, bei aller Annäherung, unterschiedliche Testkonzepte.

Beispiel Bio-Cappuccino: So bemängelt die Stiftung Warentest Bio-Cappuccinopulver, weil es keinen feinporigen Schaum bildet. ÖKO-TEST dagegen akzeptiert das. Denn der feinporige Schaum ist nur mit Zusatzstoffen zu erreichen, die Bio-Hersteller nicht verwenden.

Generell liegt das Augenmerk der Stiftung bei Tests von Lebensmitteln mehr auf Fragen der Sensorik, das heißt auf Geschmack, Aussehen und Geruch, während ÖKO-TEST größeres Gewicht auf die Inhalts- und vor allem Schadstoffe legt. Im Test Cappuccinopulver beispielsweise floss die "sensorische Fehlerfreiheit" mit 40 Prozent in das Gesamturteil der Stiftung ein, die Schadstofffreiheit nur mit 20 Prozent. ÖKO-TEST dagegen würde die Schadstoffe viel stärker gewichten. Nach dem Motto: Über Geschmack kann man streiten, über Schadstoffe nicht.

Beispiel Kosmetik: Besonders deutlich werden die unterschiedlichen Testkonzepte im Bereich Kosmetik. Hier untersucht und bewertet die Stiftung die Inhaltsstoffe in der Regel überhaupt nicht, sondern führt sie lediglich an den Angaben der Hersteller auf. Getestet wird von der Stiftung vorrangig die Wirksamkeit. ÖKO-TEST dagegen lässt die Inhaltsstoffe analysieren. Denn schädliche Inhaltsstoffe können durchaus "positive" Wirkungen haben. Durch einen Stoff, der die Haut reizt und aufquellen lässt, erscheint sie auch glatter. Durch die Analyse der Inhaltsstoffe können wir auch feststellen, ob ein Produkt überhaupt verkehrsfähig ist. Denn es ist genau vorgeschrieben, was in Kosmetik enthalten sein darf und was nicht. Die Wirksamkeit von Kosmetik zu untersuchen halten wir, wie oben beschrieben, in den meisten Fällen für überflüssig. Unsere Untersuchungen zeigen übrigens, dass den Angaben der Hersteller nicht immer zu trauen ist. So waren wiederholt, obwohl verbindlich vorgeschrieben, allergienauslösende Duftstoffe nicht auf der Verpackung deklariert.

Beispiel Riester- und Rürup-Renten, Direktversicherungen und Pensionskassen: Die Stiftung Warentest hat lange Zeit mit ihrer Zeitschrift Finanztest grob gesagt die Rendite dieser Altersvorsorgeprodukte in der sogenannten Ansparphase untersucht, also bis zu Rentenbeginn. ÖKO-TEST berücksichtigt dagegen schon länger auch die Rentenphase und hat festgestellt, dass bei Einbeziehung der Rentenphase die Rendite oft lausig ist und viele Versicherte kaum die Chance haben, ihre Einzahlungen zurückzubekommen – von einer Verzinsung nicht zu reden.

Beispiel Mückenschutz: Oft bewerten wir gleiche Testergebnisse auch unterschiedlich. Beim Test von Mückenschutzmittel akzeptiert ÖKO-TEST, dass die Wirksamkeit von natürlichen Produkten nicht so lange anhält wie bei chemischen Produkten. Dafür sind natürliche Produkte für den Menschen gesundheitlich unbedenklich.

Beispiel Kakao: ÖKO-TEST vergab im Januar 2008 an das Kakaopulver Rapunzel Tiger Quick und Naturata Kakaogetränk ein "sehr gut" und schrieb damals: Cadmium sei zwar in allen untersuchten Pulvern nachweisbar, aber gesundheitlich unbedenklich. In der Dezember-Ausgabe 2008 der Stiftung Warentest bekamen beide Produkte dagegen wegen "vergleichsweise hohem" Cadmiumgehalt im Schadstofftest ein "ausreichend".

Allerdings sagt "vergleichsweise hoch" nichts. Auch ein insgesamt gering belastetes Produkt ist vergleichsweise hoch belastet, wenn der Maßstab ein unbelastetes ist. Wir haben die Stiftung Warentest daher nach den gemessenen Gehalten gefragt – und keine Auskunft bekommen. Auch die Bewertungs- bzw. Abwertungsgrenzen wollte uns die Stiftung nicht nennen. Also haben wir die Hersteller der beiden Produkte um die von Warentest ermittelten Werte gebeten – und sie bekommen. Danach enthalten beide Produkte 0,16 Milligramm Cadmium pro Kilo (mg/kg). Für Rapunzel entspricht das exakt unserer eigenen Messung, Naturata enthielt bei uns mit 0,19 mg/kg noch ein wenig mehr. Damit lagen beide Pulver – wie Warentest richtig schreibt – unter dem vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vorgeschlagenen Höchstwert für Schokolade.

Das bedeutet allerdings noch nicht viel. Denn ÖKO-TEST wertet oft Produkte ab, auch wenn sie die gesetzlichen Werte einhalten. Da es für Kakaopulver jedoch keine Höchstmenge gibt, hatten wir unser Labor seinerzeit beauftragt, zu berechnen, wie viel Cadmium Kinder durch die Pulver aufnehmen. Die Fachleute kamen zu dem Ergebnis, dass "die ermittelten Cadmiumgehalte insbesondere auch im zubereiteten Getränk als unauffällig zu beurteilen" sind.

Dem lag folgende Berechnung zugrunde. Bereitet man den Kakao nach Herstellerangaben, enthält ein Liter vier bis acht Mikrogramm Cadmium (Rapunzel) bzw. 2,9 bis 7,6 (Naturata). Trinkt ein Kind jeden Tag ein Glas (200 ml), nimmt es pro Woche zwischen vier und 11,2 Mikrogramm Cadmium zu sich. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, pro Woche und Kilogramm Körpergewicht sieben Mikrogramm nicht zu überschreiten. Für ein 15 Kilogramm schweres Kind wären das 105 Mikrogramm. Das heißt, durch den Kakao wären 3,8 bis 10,7 Prozent der WHO-Empfehlung ausgeschöpft. In einer Risikoabschätzung schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR: "Bei anderen Lebensmitteln mit gesetzlich geregelten Höchstgehalten werden Anteile in dieser Größenordnung akzeptiert."

Inzwischen hat die europäische Lebensmittelbehörde EFSA den Höchstwert zwar auf 2,5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht gesenkt. Dennoch wären die beiden Pulver im schlechtesten Falle "gut".

Beispiel Fantrikots: In der November-Ausgabe 2009 hat die Stiftung Warentest die Fantrikots der 18 Vereine der Fußballbundesliga untersucht. Bei der Schadstoffbelastung schnitten zwei mit "mangelhaft" ab, der Rest war "sehr gut" bis "befriedigend". Einen Monat später hat ÖKO-TEST in der Dezember-Ausgabe 2009 ebenfalls die Fantrikots untersucht. Elf davon waren "ungenügend". Der Grund: Zum einen hat die Stiftung Warentest keine hochgiftigen zinnorganischen Verbindungen gefunden. Die Gehalte lagen nach Auskunft von Warentest unter der Bestimmungsgrenze. Wie hoch diese liegt, teilte die Stiftung allerdings nicht mit. ÖKO-TEST hat dagegen bis zu 8770 Mikrogramm pro Kilogramm (µg/kg) nachgewiesen. Unsere Nachweisgrenze liegt bei 0,3 bis 0,4 µg/kg.

Zum Zweiten hat ÖKO-TEST ein breiteres Spektrum an Schadstoffen untersucht und gefunden. Beispielweise phosphororganische Verbindungen, die meist als Flammschutzmittel für Kunststoffe eingesetzt werden, aber auch als Weichmacher. Sie werden in der Regel gut von der Haut aufgenommen, wirken häufig nervengiftig und sind zum Teil möglicherweise krebserregend. Außerdem Triclosan. Der Stoff wurde bereits in der Muttermilch nachgewiesen, kann Allergien auslösen, ist häufig mit Dioxin verunreinigt und steht im Verdacht, die Resistenz von Bakterien auch gegen Antibiotika zu fördern, was von den Herstellern bestritten wird. Triclosan wird auch Kosmetika, zum Beispiel Zahncremes und Deos, als antibakterieller Wirkstoff zugesetzt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung fordert, auf solche Anwendungen ebenso zu verzichten wie auf die biozide Ausrüstung von Kleidung mit Triclosan.

Beispiel Olivenöl: Unterschiedliche Testurteile können auch auf unterschiedliche Messwerte zurückgehen. Kritiker von ÖKO-TEST führen gerne das Beispiel eines Olivenöltests aus dem Jahre 2005 an. Ein von uns damals mit "sehr gut" bewertetes Produkt fiel ein Jahr später bei der Stiftung Warentest durch, weil es gesundheitlich bedenkliche Weichmacher enthielt. Es handelte sich zwar um eine andere Charge, vermutlich sogar um eine andere Ernte, als die in unserem Test. Doch hatten wir nach diesen Weichmachern nicht gesucht, weil es keinen Hinweis auf eine mögliche Verunreinigung gab. So etwas kann aller Sorgfalt zum Trotz passieren, nicht nur ÖKO-TEST.

Beispiel Sojaprodukte: Im September 2007 veröffentlichte die Stiftung Warentest eine Untersuchung von Sojaprodukten. Kein einziges enthielt Gen-Soja. Einen Monat später fanden wir in 51 von 92 untersuchten Produkten gentechnisch veränderte Bestandteile. Zum Teil stammten unsere belasteten Produkte aus der gleichen Charge, die auch die Stiftung untersucht hatte. Warum Warentest nicht fündig wurde, wissen wir bis heute nicht.

Beispiel Honig: Das gleiche Problem. ÖKO-TEST fand im Januar 2009 in fast 50 Prozent der untersuchten Honige Gen-Pollen. Einen Monat später war bei der Stiftung alles genfrei. Hier, vermuten wir, liegt der Grund in der sogenannten Nachweisgrenze. Während unser Labor noch 0,01 Prozent gentechnisch veränderte Bestandteile nachweisen kann, findet das Stiftungslabor vermutlich bestenfalls 0,03 Prozent.

( oet )





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