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15. März 2010
Über ÖKO-TEST - 25 Jahre
Das neue Jahrzehnt
Das neue Jahrzehnt

BSE, Acrylamid, Furan & Co.

Vorreiter war ÖKO-TEST seit jeher nicht nur bei den Testmethoden. Von Anfang an wird das Heft – zum Schutz der Umwelt – auf Recyclingpapier gedruckt. Bis heute haben wir kaum Nachahmer gefunden.


2000
April: Jetzt gibt es ÖKO-TEST 15 Jahre. Zur Feier des Jubiläums sagt unser neuer Untertitel, was wir mit unserer Zeitschrift bewirken wollen: Dass unsere Leser - und selbstverständlich auch alle, die ÖKO-TEST noch nicht lesen - "Richtig gut leben". Im Test waren Duschgele für Männer, Erdnüsse, Wasserstaubsauger, WC-Erfrischer, Babyschalensitze. Und Brühwürstchen. In zwei von 16 Proben fanden unsere beauftragten Labore Gewebe, das vom zentralen Nervensystem stammt und mit BSE-Erregern infiziert sein kann. Es gelangte in die Wurst, weil für die Herstellung von Konservenbrühwürstchen so genanntes Separatorenfleisch verwendet werden durfte, das maschinell von den Knochen heruntergeschabt wurde. ÖKO-TEST forderte daher, Separatorenfleisch zu verbieten. Doch diese Forderung ging damals noch ebenso unter wie die brisanten Testergebnisse. Bis am Jahresende 2000 das erste deutsche Rind an BSE erkrankte.

2001
Das Jahr beginnt mit einem Paukenschlag aus drei Buchstaben: BSE. Es wird Gewissheit, was alle wussten, die ihren Kopf nicht in Tiermehl stecken wollten: Deutschland ist keine BSE-frei Zone mehr. Daraufhin bricht der Rindfleischmarkt völlig zusammen. Und in kürzester Zeit wird - wie von uns ein halbes Jahr vorher gefordert - das riskante Separatorenfleisch verboten.

Doch ÖKO-TEST will es nicht bei der Panik und Ratlosigkeit der Verbraucher belassen. Jetzt gibt es nur eine Frage, schreiben wir: Was tun? Unsere Antwort: Man muss nicht Vegetarier werden, sondern darf der Fleischeslust - mit Bedacht - frönen. Das ÖKO-TEST Motto "Richtig gut leben" lässt sich auch in den Zeiten des Wahnsinns noch mit Fleisch verwirklichen. Ein Rindersteak vom Bio-Bauern oder aus artgerechter Tierhaltung bietet nicht nur ein Höchstmass an BSE-Sicherheit, sondern ist auch nicht mit Medikamenten verseucht, schmeckt so aromatisch, dass es kaum noch Gewürze braucht und schrumpft beim Braten nicht um die Hälfte zusammen.

2002
"Seit einigen Wochen", schreiben wir in unserer Mai-Ausgabe, "wird das ÖKO-TEST-Magazin von einer beispiellosen Prozesslawine überrollt. Ziel der Attacken soll es offenbar sein, uns mundtot zu machen. Doch wir setzen uns gegen die falschen, teilweise skurrilen Vorwürfe erfolgreich zur Wehr - und verklagen jetzt selbst dreiste Hersteller ebenso wie inkompetente Richter."

Damit hatte offenbar niemand gerechnet, und der Schuss der Hersteller ging bös nach hinten los. In einem Prozess um das verbotene Antibiotikum Chloramphenicol in Shrimps, der uns zunächst eine einstweilige Verfügung eintrug, bescheinigte uns das Gericht am Ende hohe Kompetenz und erklärte, dass die von ÖKO-TEST "angewandte Messmethode die nach dem momentanen Stand der Technik aufwendigste und modernste Messmethode überhaupt ist". Außerdem bekamen wir von der Firma, die uns verklagt hatte, rund 23.000 Euro Schadensersatz.

Nachdem Ende 2001 einmalig der "Ratgeber - Best of 2001" erschien, haben wir im Oktober 2002 das "ÖKO-TEST Jahrbuch - der Einkaufsratgeber" sehr erfolgreich auf den Markt gebracht. Das ÖKO-TEST Jahrbuch erscheint danach (und bis heute) regelmäßig jedes Jahr im Oktober.

2003
Trotz aller Erfolge müssen wir immer wieder mit altbekannten Problemstoffen beschäftigen, und es kommen ständig neue dazu - zum Beispiel Acrylamid, Semicarbazid, Furan, 2-EHA und Sudanrot. Zunächst konnten wir gar nicht glauben, dass jemand auf die Idee kommt, den krebserregenden Farbstoff Sudanrot in Chili und Paprika zu mischen, nur damit diese Gewürze noch feuriger aussehen. Wir können auch nicht verstehen, warum es einige Pommeshersteller zwei Jahre nach der Entdeckung von Acrylamid nicht geschafft haben, die empfohlene Backtemperatur zu senken. Denn das krebsverdächtige Acrylamid bildet sich - ebenso wie Furan - beim Erhitzen vieler Lebensmittel, und unsere Tests zeigten, dass sich die Gehalte bei geringeren Temperaturen drastisch verringern. Ungläubig schüttelten wir auch Jahre später wieder den Kopf, weil die Produzenten noch immer nicht mit den Problemen Semicarbazid und 2-EHA fertig werden. Denn es ist seit langem bekannt, dass die beiden gesundheitsschädlichen Stoffe, die sich in Gläschenkost ebenso finden wie in Honig oder eingelegten Gurken, bei der Herstellung von Deckeldichtungen entstehen. Und so können wir mit unseren Tests nur immer wieder auf die Probleme hinweisen - und nicht locker lassen, so lange, bis wieder ein Schadstoff aus unserer Datenbank verschwindet.

Neben den Ratgebern, die sich einem Themenbereich widmen, wünschten unsere Leser auch Hefte, die sich mit einem ganz speziellen Thema ausführlich beschäftigten. Die neue Reihe "ÖKO-TEST Kompakt" startete im April 2003, zur Einführung mit einer Auflage von über 150.000 Exemplaren.

2004
Viele Jahre lang haben wir Shampoos, Cremes, Parfüms, Waschmittel und Weichspüler auf so genannte Nitromoschus-Duftstoffe untersucht. Die sind in der Umwelt ebenso nachweisbar wie in der Muttermilch. Dennoch brauchte die EU bis zum Jahr 2004, um die Verwendung von zwei dieser Verbindungen zumindest einzuschränken. Eine weitere hatte sie bereits 1997 verboten - sie wurde damals ohnehin kaum mehr eingesetzt.

Die Anzahl der Tests die im ÖKO-TEST-Magazin, den ÖKO-TEST Ratgebern und der neuen Reihe ÖKO-TEST Kompakt erschienen, nahm stetig zu. Dadurch wuchs der Bedarf nach einer aktualisierten Zusammenfassung von Tests aus einem Bereich - die Themenjahrbücher nahmen Gestalt an. Im Januar 2004 haben wir gleich drei Themenjahrbücher in den Handel gebracht: Bauen, Gesundheit - und natürlich Kleinkinder.

2005
Viel Aufsehen haben unsere Vaterschaftstests im November 2003 und die nachfolgenden Prozesse erregt. Einige der getesteten Labors wollten herausgefunden haben, dass der jüngere Bruder von Chefredakteur Jürgen Stellpflug sein Vater sei. Es folgte ein Prozess, den wir zunächst verloren, vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Ende aber vollständig gewannen.

2006
Wieder so eine Schadstoff-Hängepartie. Über zehn Jahren lang kritisierte ÖKO-TEST das Konservierungsmittel Euxyl K 400. Die halogenorganische Verbindung, korrekt Methyldibromoglutaronitril genannt, sollte das - unter tätiger Mithilfe von ÖKO-TEST - in Verruf geratene Formaldehyd ersetzen. Doch damit trieben die Kosmetikhersteller den Teufel mit Belzebub aus. Euxyl K 400 löst häufig Allergien aus. Trotzdem wurde der Einsatz erst im Jahr 2004 eingeschränkt, und 2006 schließlich ganz verboten.

2007
Endlich strahlungsarme Geräte überschreiben wir unseren Test DECT Schnurlos-Telefonen im Mai 2007. Zum ersten Mal bekommen nicht alle untersuchten Homehandys das schlechteste Testurteil. Denn einige sind keine Dauersender mehr und verursachen dadurch weniger Elektrosmog. Das hatten wir schon bei unserem ersten Test von DECT-Telefonen im Jahr 1996 gefordert. Doch lange weigerten sich die Hersteller, die Dauersender abzuschalten - aus Bequemlichkeit. Denn an einen DECT-Apparat kann man mehrere Handgeräte anschließen, die untereinander kommunizieren können. So kann sich eine Familie gleichmäßig im Haus verteilen und per Handgerät kreuz und quer miteinander plaudern. Zur gleichen Zeit kann mit einem Handgerät nach draußen telefoniert werden. Dafür muss die Basisstation aber ständig mit dem Handgerät in Kontakt bleiben. Ansonsten dauert es einen Moment, bis eine Verbindung hergestellt ist. Der Nachteil: die Elektrosmog-Belastung ist weit höher als bei Handys - und das 24 Stunden am Tag.

Im Oktober 2007 erschien das Sonderheft Umwelt. Obwohl wir das Thema seit Jahren ausführlich behandeln und gerade in den Jahren 2006/2007 eine sehr lange und umfangreiche Dokumentation zum Thema Umwelt und Energie veröffentlichten, wünschten unsere Leser all diese Informationen geballt und zusammengefasst. Nach dem großen Erfolg des "Sonderheft Umwelt" haben wir im Mai 2008 die "ÖKO-TEST Spezial"-Reihe gestartet.

2008
Unser Test Energiesparlampen schlägt hohe Wellen. Das Ergebnis: Sie sparen viel weniger Energie als behauptet, machen schlechteres und ungesünderes Licht als Glühbirnen, erzeugen Elektrosmog und gehen viel zu schnell kaputt. Eine Übergangstechnologie, wie selbst die Hersteller hinter vorgehaltener Hand zugeben.

In den unendlichen Weiten des Internets melden sich daraufhin ÖKO-TEST-"Hasser" zu Wort, deren Welt offenbar zusammenstürzt. Auf www.utopia.de erklärt Mewa0298: "Ich habe ÖKO-TEST nie als seriös empfunden." ah-tonius ergänzt: "Ich habe das Abo der ÖKO-TEST schon vor einigen Jahren gekündigt. Ich vertraue den Tests der ÖKO-TEST nicht." Noki schreibt: "Ich habe mich ebenfalls schon öfters über ÖKO-TEST gewundert, über manche Testergebnisse, und frage mich, ob da wirklich ökologisches Interesse dahinter steckt oder vielleicht jemand anders." Noch deutlicher artikuliert Manfred auf www.taz.de den Verdacht, dass es bei dem Test nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann. "Vielleicht wurde ÖKO-TEST (wieder mal?) von irgendwelchen Interessenverbänden bezahlt?"

Hersteller erklären uns für unfähig. Die Firma Megaman fragt: "Lässt sich ÖKO-TEST von Energiesparlampen-Gegnern manipulieren?" Und antwortet: "Ein Baubiologe und ein Ganzheitsmediziner profilieren sich mit zweifelhaften Argumenten." Lobbyisten wie der Zentralverband der Elektrotechnik und Elektronikindustrie bezeichnen unseren Test als "verantwortungslos". Grund: die Messmethoden entsprächen nicht der Norm. Ein Totschlagargument, das wir hören, seit es ÖKO-TEST gibt - siehe Autokindersitze 1997. Denn wir weichen oft von den Normen ab. Wichtig ist für uns nämlich nicht, ob Testmethoden einer Norm entsprechen, sondern dass die Ergebnisse richtig sind und dem vorbeugenden Gesundheitsschutz der Verbraucher Rechnung tragen.

Einen Fehler kann uns denn auch niemand nachweisen.

2009
Im Februar 2009 wird dann das von der EU beschlossene Verbot von Glühbirnen völlig ad absurdum geführt. Denn Quecksilber soll weltweit aus dem Verkehr gezogen werden. Für Energiesparlampen muss allerdings eine Ausnahme gemacht werden, denn die funktionieren ohne den hochgiftigen Stoff nicht.

ÖKO-TEST wirkt und verändert. Das zeigen auch zwei – nicht von uns in Auftrag gegebene – Studien. Das Nürnberger Marktforschungsunternehmen Konzept & Analyse fragte gemeinsam mit dem Onlinepanel-Betreiber Respondi 1.000 Deutsche zwischen 14 und 69: "Welches der gezeigten Siegel ist Ihnen bekannt/haben Sie schon einmal gesehen?" 81 Prozent der Befragten kannten demnach das ÖKO-TEST Siegel. Bekannter war mit 87 Prozent nur das staatliche Bio-Siegel. Des weiteren wurde gefragt: "Welchem Siegel vertrauen Sie am meisten?" Auf Platz 1 landete mit 36 Prozent der Befragten ÖKO-TEST. Mit lediglich 21 Prozent landete das staatliche Bio-Siegel auf dem 2. Platz.

Auch im Versicherungsbereich sind die Test-Urteile von ÖKO-TEST nicht nur einer breiten Bevölkerungsschicht bestens bekannt, sondern sie genießen auch das höchste Vertrauen. Das jedenfalls fand das renommierte Marktforschungs- und Beratungsinstitut Psychonomics AG in seiner Schwerpunktstudie "Tests, Ratings und Gütesiegel" heraus. Untersucht haben die Kölner Meinungsforscher die Akzeptanz, Bekanntheit und Vertrauenswürdigkeit von Gütesiegeln und Testurteilen zu einzelnen Versicherungsprodukten und Versicherungsunternehmen aus Kundensicht sowie deren Einfluss auf konkrete Abschlussentscheidungen. Repräsentativ befragt wurden über 2.300 private Versicherungsnehmer ab 16 Jahren zu den Urteilen von Capital, Euro, Finanztest, Fitch Ratings, Focus Money, Franke und Bornberg, Kubus, map-report, Morgen & Morgen, ÖKO-TEST, ServiceRating, Standard & Poors, Stern, TÜV, Welt am Sonntag und Wirtschaftswoche. Ergebnis: Absoluter Spitzenreiter in der Rubrik "besondere Vertrauenswürdigkeit" ist das Gütesiegel von ÖKO-TEST, das gleiche gilt für den Bekanntheitsgrad.

( oet )





Inhaltsverzeichnis

» Übersicht
» Die 80er Jahre - Von Benzol über FCKW bis zu PCB
» Die 90er Jahre - Asbest im Wasser, Spritzgifte in Babynahrung
» Das neue Jahrzehnt

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Wichtige InformationenDieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.

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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
  • die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
  • aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
  • neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
  • aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.

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