Testberichte aus dem Archiv

Mittel gegen Gelenkbeschwerden
Knochenarbeit

Wegen fehlender Wirksamkeitsbelege dürfen die Hersteller bestimmter Nahrungsergänzungsmittel nicht mehr behaupten, ihre Produkte würden zur Gelenkgesundheit beitragen. Das tun sie aber trotzdem - und leider ganz legal und rein gar nicht zum Nutzen der Käufer solcher Präparate. Wie das sein kann? Lesen Sie unseren Testbericht!
Die Idee war ja gar nicht mal schlecht. Die Gelenke verschleißen im Laufe des Lebens, was der eine früher, der andere später zu spüren bekommt. Veranlagung spielt ebenso eine Rolle wie einseitige Be- und Überlastung, Übergewicht und zu wenig Bewegung. Der Knorpel, der für geschmeidige Beweglichkeit sorgt, erweicht, bekommt Risse, wird abgerieben und abgerieben, bis irgendwann die Knochen blank liegen und die Gelenke knirschen.
Verbindungen aus Zuckern und Eiweißen, sogenannte Proteoglykane, bilden die Grundsubstanz des Knorpels. Zu ihren Bausteinen zählen Glucosamin und Chondroitin. Wenn nun der Knorpel schwindet, müsste man ihn doch durch Zufuhr seiner Bestandteile wieder aufpäppeln können, dachte sich der Amerikaner Dr. Jason Theodosakis und veröffentlichte 1996 sein Buch The Arthritis Cure. Die Idee fiel auf fruchtbaren Boden: Zum einen leiden Millionen von Menschen an schmerzhafter Arthrose, zum anderen haben Ärzte ihren Patienten wenig mehr zu bieten als Schmerzmittel und entzündungshemmende Kortisonspritzen.
Erste Studien brachten vielversprechende Ergebnisse. Doch spätere, größere Untersuchungen, deren Augenmerk sich speziell auf Patienten mit Arthrose richtete und die sich vor allem den Parametern Schmerz und Gelenkfunktion widmeten, waren ernüchternd. Ein Meilenstein war die 2006 veröffentlichte GAIT-Studie mit knapp 1.600 Teilnehmern. In dieser, von den amerikanischen National Institutes of Health (NIH) geförderten Studie erbrachte die Einnahme von Glucosamin allein oder in Kombination mit Chondroitin keinen Vorteil gegenüber einem Scheinmedikament. Allenfalls in einer Untergruppe von Patienten mit mittelschweren bis schweren Schmerzen waren Verbesserungen der Symptome erkennbar.
Nun ist es eine Sache, wenn eine Substanz in hoher Dosierung pharmakologische Wirkungen erzielt. Auf diese Art und Weise sollen Arzneimittel Symptome lindern oder Krankheiten heilen. Was aber, wenn dieser Stoff in geringerer Dosierung als Lebensmittel in Verkehr gebracht wird, zum Beispiel als Nahrungsergänzungsmittel? Kann er dann auch dem Gesunden helfen, ihn vor diesen Beschwerden zu bewahren? Die Anbieter von Glucosamin- und Chondroitin-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln oder auch Kollagenpräparaten verwendeten lange entsprechende gesundheitsbezogenen Angaben (Health Claims). Da stand dann auf der Verpackung "hilft, gesunde Gelenke zu erhalten", "unterstützt die Mobilität" oder auch "Kollagen macht die Gelenke beweglich und geschmeidig".
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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
- die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
- aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
- neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
- aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.
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