Testberichte aus dem Archiv

Lippenstifte
Pigmentstörung

Rote Lippen sind was Feines. Doch das Rot kann es ganz schön in sich haben. Gerade die großen, schicken Marken enthalten problematische Pigmente - und dazu gibt’s auch noch Paraffine auf die Lippen. Dass es günstiger und besser geht, zeigen viele Bio-Produkte.
Von Koralle über Fuchsia bis Violett, von Hochglanz über metallic bis matt - in den kommenden Monaten ist so ziemlich alles auf den Lippen modischer Damen erlaubt. Die Farbpaletten bekommen ordentlich Zuwachs - und leidenschaftliche Lippenstiftträgerinnen viele kleine Gründe, zu Hause noch einmal aufzustocken.
Der Lippenstift ist und bleibt eines der beliebtesten Schminkutensilien. Auf 60 Euro für Lippenfarbe kann eine durchschnittliche Verbraucherin pro Jahr durchaus kommen. Das mag viele Menschen überraschen, aber wer gerne zu hochpreisigen Marken wie Chanel oder Dior greift, bekommt für dieses Budget gerademal zwei Modelle. Im Drogeriemarkt hingegen kann man schon für gut zwei Euro fündig werden. Fragt sich, wo die Unterschiede liegen. Um es kurz zu machen: Die halten sich, abgesehen von einem mehr oder weniger aufwendigen Drumherum, in Grenzen.
Lippenstifte bestehen vor allem aus Wachsen und Fetten. Diese sorgen dafür, dass die Farbe auf den Lippen haften bleibt. Die Kunst ist, eine Mischung zu erzielen, die schmilzt, wenn es gewünscht ist: nur beim Auftragen auf die Lippen und nicht schon vorher. Ist der Lippenstift aufgetragen, soll er einigermaßen fest auf den Lippen sitzen und nicht verlaufen. Hinzu kommen Parfüm, um den Rohstoffgeruch zu überdecken, und Zusatzstoffe, die die Pigmente gleichmäßig im Wachs verteilt halten oder die verhindern sollen, dass sich Öltröpfchen auf der Oberfläche bilden und der Stift unschön aussieht.
Ob billig oder teuer: Die Unterschiede halten sich in Grenzen
Das A und O bei einem Lippenstift ist natürlich die Farbe. Für den richtigen Ton und Glanzeffekte sorgen vor allem Pigmente, kleine, unlösliche Farbpartikel, die möglichst gleichmäßig im Stift verteilt sein müssen. Konventionelle Hersteller arbeiten dabei mit anderen Farbstoffen als die Naturkosmetikbranche. In der zertifizierten Naturkosmetik sind nur Pflanzenauszüge sowie mineralische oder Erdpigmente erlaubt. Für knallrote Lippenstifte wird häufig die Karminsäure toter Cochenilleläuse eingesetzt - nichts für Veganer, aber der einzige Weg, mit Natur leuchtende Rottöne zu erzielen. Konventionelle Hersteller setzen hingegen auf synthetisch hergestellte Farbe, die ein größeres Farbspektrum möglich macht. Die Forscher arbeiten stets an neuen Varianten. Viele wurzeln aber noch immer auf einer Erfindung aus dem Jahr 1858: Azo-Verbindungen. Bis heute leiten sich viele Lebensmittel- und Kosmetikfarbstoffe daraus ab, so das gelbe Tartrazin oder CI 17200, das krebsverdächtiges Anilin abspalten kann.
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