Testberichte aus dem Archiv
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2013

Lackfarben
Nicht alle glänzen

Im Zweifel besser wasser- als lösemittelbasiert - diese Regel gilt für alle, die zu Hause einigermaßen schadstoffarm Lackierarbeiten vornehmen wollen. Unser Test ergab aber: Leider ist nicht überall, wo "wasserbasiert" draufsteht, auch "schadstoffarm" drin.
Im Fernsehen sieht’s immer furchtbar einfach aus: Die alten Küchenstühle wechseln von Kiefer natur auf zartgrau, die Bilderrahmen werden umbra, das Bücherregal taubenblau umlackiert. Innerhalb einer Stunde wird so aus der rumpeligen Küche ein echtes Schmuckstück.
Wer zu Hause schon einmal ähnliche Projekte in Angriff genommen hat, kann da nur müde lächeln. Die neue Farbe für ein Möbelstück ist in der Regel ein ganz schön zeitraubendes Projekt. Erst muss der alte Lack ab, dann braucht’s nach der ersten Lackrunde meist noch einen Zwischenschliff, erst dann kann der Endanstrich aufgebracht werden. Und wer nicht in die Garage ausweichen kann, bei dem riecht die ganze Bude auch noch zwei Wochen später nach Lackierwerkstatt.
Weil die meisten Heimwerker diese Geruchsbelästigung so gut es geht vermeiden wollen, kaufen sie vor allem wasserbasierte Lacke ein, sogenannte Dispersionslacke. Diese gelten als schadstoffärmer, umweltfreundlicher und beim Verdünnen und Reinigen kann man Wasser statt etwa stinkendes Terpentin hernehmen. Ganz ohne Lösemittel kommen diese Farben zwar auch nicht aus, doch der Anteil liegt in der Regel unter zehn Prozent.
Wir haben 19 weiße, seidenmatte oder -glänzende Lacke eingekauft und geprüft, was drinsteckt, was beim Lackieren ausdampfen kann und wie gut die Hersteller auf den Etiketten über ihre Produkte informieren.
Das Testergebnis
"Wasserbasiert" heißt nicht, dass ein Produkt schadstofffrei ist. Nur zehn Lacke schneiden mit einem "sehr guten" Testergebnis Inhaltsstoffe ab. Wieder einmal schaffen es viele günstige Baumarkteigenmarken in den "sehr guten" und "guten" Bereich, aber auch Alpina und die Naturfarbenhersteller Bio Pin und Volvox sind mit dabei.
Aus einigen Lacken gasen Ethylenglykole aus, die zu Bindehautreizungen oder Nierenschäden führen können, auch Acrylate, die sensibilisierend wirken können, sind unter den flüchtigen organischen Verbindungen zu finden. Aromaten, eine Stoffgruppe, zu der auch Benzol und Styrol zählen, können das zentrale Nervensystem schädigen, manche gelten als fruchtschädigend. Sie gasen unter anderem aus dem Biofa Aqualux Decklack Innen aus, auf dessen Etikett der Hersteller groß damit wirbt, dass das Produkt "lösemittelfrei" sei. Auch beim Auro Weißlack wird auf dem Etikett ganz schön übertrieben: "100 % lösemittelfrei" - das stimmt leider nicht.
Die Labore wiesen weder halogenorganische Verbindungen noch Formaldehyd/-abspalter nach. Statt chlorierter Isothiazolinone, die ein besonders hohes sensibilisierendes Potenzial haben, kommen ausschließlich die etwas "milderen" Methyl- und Benzisothiazolinone zum Einsatz. Hier halten sich die meisten Hersteller an die Grenzen, die der Blaue Engel seit Sommer 2010 vorgibt und an denen auch wir uns orientieren. Zwei Lacke überschreiten diesen Wert: Primaster Acryl Weisslack Seidenmatt von Globus und Sikkens Rubbol BL Satura Seidenglanzlack aus dem Fachmarkt. Sikkens informiert auf dem Etikett noch nicht einmal darüber, dass überhaupt Isothiazolinone zum Einsatz kommen, von einer entsprechenden Allergikerhotline ganz zu schweigen, auch eine Deklaration der Inhaltsstoffe sucht man vergebens. Das ist eine unschöne Tradition bei Herstellern, die Profis beliefern, auch Caparol und EinzA schneiden hier schlecht ab.
In den Lacken der Naturfarbenhersteller Auro, Bio Pin und Biofa werden Kobaltsalze eingesetzt. Im Lack selbst ist Kobalt ein Kontaktallergen. Ab bestimmten Gehalten fordert der Gesetzgeber deshalb einen Hinweis. Kobaltstaub, der beim Schleifen des getrockneten Lacks entsteht, ist krebserregend - Hersteller sollten also auf dem Etikett deutlich darauf hinweisen, dass beim Zwischenschliff eine Atemschutzmaske unabdingbar ist.

Dieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.
Informationen anzeigen
Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
- die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
- aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
- neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
- aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.
Mehr Artikel zu diesem Themengebiet
Mähroboter:
Mmäääähh!Kissen:
Ruhe sanftLackfarben:
Nicht alle glänzenAkkubohrschrauber:
Durch die WandLED-Lampen:
ErhellendWärmepumpen:
Wohl oder Weh?Energiesparende Haushaltsgeräte:
Die weißen SpardosenKüchentrends:
Schöne neue KochweltenGütezeichen für Öko-StromSchadstoff-Check:
Schadstoffe in der WohnungLeserfrage: Trocknerwasser zum Blumengießen?Leserfrage: Strapazierfähiger RasenLeserfrage: Ameisenplage: Was tun?Leserfrage: Seife hilft gegen das KnarrenLeserfrage: Recycling Bauen / Wohnen / Renovieren
Online-Service für Abonnenten - ANZEIGE -
News
Öko-Strom schlägt Kohle: Erneuerbare Energien sind hierzulande laut Monitoringbericht der Bundesnetzagentur rasant auf dem Vormarsch.
» News lesenForscher haben durchgerechnet: Ein komplett auf erneuerbaren Energien basierendes System führt am Ende zu jährlichen Gesamtkosten, die nicht höher liegen als die heutigen.
» News lesenDas Umweltbundesamt hat das Herkunftsnachweisregister für Öko-Strom gestartet. Der Nachweis bescheinigt, wie und wo Strom aus erneuerbaren Energien produziert wurde.
» News lesenKurz bevor das ÖKO-TEST-Magazin in den Druck ging, schickte uns der Mähroboter-Hersteller Al-Ko eine Unterlassungserklärung zu. Jetzt sind die vollständigen Testergebnisse für den Robolinho 3000 online abrufbar.
» News lesenGut erhaltene gebrauchte Bauteile sind kein Schrott und zu schade für den Müll. Sie wiederzuverwenden ist das Ziel des bundesweiten Projekts "Bauteilnetz Deutschland".
» News lesenGut Ding will Weile haben: Ab 2021 sollen alle Neubauten nahezu klimaneutral in Niedrigstenergiestandard errichtet werden. Das sieht die neue Energieeinsparverordnung vor.
» News lesenDie Deutschen sind gute Energiesparer. Das zeigt eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln.
» News lesenMehr Geld für energetisches Sanieren: Die KfW-Förderbank zahlt höhere Investitionszuschüsse für Einzelmaßnahmen sowie für Gesamtsanierungen.
» News lesen » mehr News anzeigen Aktuelle Themen

Das Stromnetz der Zukunft - Damit die Energiewende vorankommt, müssen nicht nur Stromtransport und -verteilung reformiert werden. Es braucht innovative Energiemodelle. Smart Grids sollen helfen, Strom möglichst effizient zu nutzen. Derweil tüfteln Forscher längst an neuen Konzepten.
» Artikel lesen 
Energiesparende Haushaltsgeräte - Sie fehlen in kaum einem Haushalt: Kühl- und Gefrierschränke, Wasch- und Spülmaschinen sowie Trockner. Wenn neue Geräte gekauft werden, rechnet es sich, in besonders energiesparende Geräte zu investieren. Die geringeren Stromkosten finanzieren den Kauf.
» Artikel lesen 
Küchentrends - Kochst du noch oder lebst du schon? Küchen werden immer wohnlicher, vielseitiger und individueller. Doch bei allem Schick dürfen Ergonomie, Gesundheit und ökologische Qualität nicht außen vor bleiben. Das ist machbar – und bezahlbar.
» Artikel lesen 
Solarkataster - Die Kommunen werden zu Vorreitern für die Photovoltaik. Sie informieren die Bürger mit speziellen Stadtplänen im Internet darüber, ob sich ihre Häuser zum Einfangen von Sonnenenergie eignen. Und sie überlassen ihnen mietfrei städtische Dachflächen.
» Artikel lesen » mehr Themen anzeigen