Testberichte aus dem Archiv
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2013

Ohrstöpsel
Ruhe

Ohrstöpsel schützen das Gehör vor bleibenden Schäden. Und sie helfen, die Nerven zu schonen, weil sie für Ruhe sorgen - sei es im Schlafzimmer, Großraumbüro oder Zug. Bei den meisten Stöpseln im Test ist nicht das Material das Problem, sondern die Dämmwirkung: Sie schirmen weniger stark ab, als der Hersteller verspricht.
Das Tückische an Lärm ist: Nicht nur, was ganz bewusst schmerzt und nervt, zehrt an uns. Sondern auch Lärm, der uns ständig umgibt, ohne dass es noch groß auffällt. In diesen Fällen kann der ganze Körper gestresst reagieren, die Liste möglicher Folgen ist unendlich lang: Herz-Kreislauf-Probleme, Schlafstörungen, Leistungsbeeinträchtigungen. Lärm macht krank. Da man einem Ohrstöpsel nicht ansehen kann, wie gut er wirklich Lärm abschirmt, wurde als Orientierungswert der sogenannte SNR-Wert entwickelt. Er sagt aus, um wie viel Dezibel der Umgebungslärm reduziert wird. Wer beispielsweise mit einer Kreissäge hantiert, benötigt einen Stöpsel, der die rund 110 Dezibel auf einigermaßen erträgliche 80 Dezibel herunterdimmt. Das entspricht einem SNR-Wert von 30 Dezibel.
Wir schickten Ohrstöpsel in den Praxistest, um zu überprüfen, ob sie tatsächlich so gut dämmen, wie ihre Hersteller behaupten. Darüber hinaus wollten wir wissen, ob es Unterschiede im Tragekomfort und in der Qualität der Materialien gibt.
Das Testergebnis
Inzwischen kommen die meisten Ohrstöpsel ohne problematische Inhaltsstoffe aus. Allerdings zeigte sich, dass viele Gehörschützer im praktischen Einsatz die versprochene Dämmwirkung nicht erreichen. Und nicht jeder Stöpsel ist auf Dauer angenehm zu tragen.
Bei den Merox Uvex Gehörschutzpfropfen und den Wolfcraft M liegt die erzielte Dämmwirkung so weit unter dem deklarierten SNR-Wert, dass Deklaration und Leistung kaum noch etwas miteinander zu tun haben. Ausgerechnet diese beiden Modelle aus dem Baumarkt, die eine besonders hohe Dämmung bewirken sollen, schneiden so mit "mangelhaft" ab. Wer hier im Vertrauen auf eine hohe Dämmleistung mit Kreissägen und anderen Krachmachern hantiert, bekommt nicht den notwendigen Schutz. Bei den Schaumstoffstöpseln von Suki International, Beiersdorf, Ohropax und den Lamellenstöpseln von Obi wurden in den Tests deutlich schwächere Dämmwirkungen ermittelt, als deklariert wurde. Die Hersteller der beiden teuersten Gehörschützer im Test, BachmaiER 20S und Alpine Sleepsoft, sparen sich die Angabe eines SNR-Wertes gleich. Auch wenn sonst in der praktischen Prüfung alles in Ordnung ist, schneiden die beiden deshalb nur mit "ausreichend" ab.
Stöpsel werden in der Praxis häufig falsch eingesetzt. Das führt dazu, dass nur selten die Schalldämmung erreicht wird, die unter Laborbedingungen bei der Baumusterprüfung ermittelt und auf der Verpackung angegeben wird. Nicht anders in unserem Test, bei dem wir zwar nach den Vorgaben der Baumusterprüfung prüfen ließen, allerdings mit Probanden, die sich die Stöpsel selbst nach Vorgaben der Bedienungsanleitung eingesetzt hatten. Bei elf von 16 Stöpseln wurde der deklarierte SNR-Wert nicht erreicht.
Das Einsetzen der Stöpsel fiel den Testern tendenziell bei den fertig geformten Lamellen- und Silikonmodellen leichter als bei den Schaumstoffstöpseln, die erst zurechtgerollt, dann in den Gehörgang hineingeschoben werden und sich dann dort entfalten müssen.
Die Suki International Master Plug Gehörschutzpfropfen aus dem Baumarkt sowie die E-A-R Classic II, die vor allem in der Industrie eingesetzt werden, enthalten hohe Mengen an giftigen zinnorganischen Verbindungen, vor allem fortpflanzungsgefährdendes Dibutylzinn (DBT), und fallen somit durch. Wesentlich niedrigere, aber noch immer erhöhte DBT-Gehalte stecken in den 3M Einweg-Gehörschutzstöpseln Protect System 1100 C sowie den BachmaiER 20S.

Dieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.
Informationen anzeigen
Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
- die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
- aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
- neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
- aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.
Mehr Artikel zu diesem Themengebiet
Halsschmerzmittel:
Dicker HalsDie besten Mittel gegen Husten, Schnupfen, HeiserkeitVitaminpräparate für Schwangere:
Heißes EisenMittel gegen Gedächtnisstörungen/StärkungsmittelVenenmittel:
BeinhartGesundheitsseiten im Internet:
Per Klick zum ArztDie Niere:
Das HochleistungsorganDie populärsten Gesundheitsirrtümer Gift für die Ohren:
Viel Lärm um nichts?Organspende:
Spender gesucht Leserfrage: MuskelaufbauLeserfrage: NickelallergieLeserfrage: AbnehmenLeserfrage: Zugesetztes CalciumLeserfrage: Schmuck aus Titan Gesundheit / Medikamente / Erholung
Online-Service für Abonnenten - ANZEIGE -
News
Das Sozialgericht Duisburg hält Pestizide für die Parkinsonerkrankung eines Landwirtes verantwortlich. Der Mann war Mitteln wie Lindan massiv ausgesetzt.
» News lesenAkupunktur hat in einer Studie der Berliner Charité die Heuschnupfenbeschwerden gelindert und den Bedarf an Antihistaminika gesenkt. Die Ergebnisse sollten aber nicht überschätzt werden.
» News lesenGiftig: 207 deutsche Konzerne bringen Chemikalien auf den Markt, die unter anderem Krebs erregen, das Erbgut verändern oder die Fortpflanzungsfähigkeit schädigen.
» News lesenSo können Patienten künftig erkennen, ob ein Arzneimittel noch nicht lange auf dem Markt ist und daher noch unerkannte Risiken bergen kann.
» News lesenJedes zweite im Internet verkaufte Medikament ist gefälscht. Rund ein Fünftel enthält Stoffe, die zu körperlichen Schäden führen können. Davon geht die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin aus.
» News lesenNachdem Frankreich im Alleingang Bisphenol A in Verpackungen von Lebensmitteln für Kinder verboten hat, fordert nun Schweden ein komplettes Verbot der Substanz.
» News lesenIn Europa gibt es große Unterschiede in der Belastung der Bevölkerung mit Schadstoffen. Das ergab eine erste europaweite Vergleichsstudie.
» News lesenGefährliche Schlankmacher: Das Regierungspräsidium Darmstadt warnt vor asiatischen Mitteln, die es im Netz zu kaufen gibt.
» News lesen » mehr News anzeigen Aktuelle Themen

Gift für die Ohren - Jeder zweite Mensch in Deutschland fühlt sich durch Lärm gestört und belästigt. Und dieser Lärm nervt nicht nur, er kann auch krank machen. Der Kampf gegen Lärm jedoch erweist sich in einer mobilen und globalisierten Welt mehr als mühselig.
» Artikel lesen 
Diagnose Demenz - Den meisten ist schon vor der medizinischen Diagnose klar, dass etwas nicht stimmt. Stellt der Arzt dann tatsächlich eine Demenz fest, sind Betroffene wie Angehörige entsetzt und ratlos. Es gibt viele Hilfsangebote, die man in Anspruch nehmen kann.
» Artikel lesen 
Nahrungsergänzungsmittel - Gesundheit und Schönheit durch Pillen - das wird zwar versprochen, bleibt aber eine schöne Illusion. Vitamin- und Mineralstoffpräparate nutzen vor allem den Herstellern, die damit viel Geld machen.
» Artikel lesen 
Kopfschmerzen - 70 Prozent aller Deutschen leiden gelegentlich unter ihnen, etwa zwei Millionen quälen sich Tag für Tag herum. Doch Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz.
» Artikel lesen » mehr Themen anzeigen