23 Gesundheitstees im Test

Dr. Tee

ÖKO-TEST Oktober 2012 | | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 28.09.2012

23 Gesundheitstees im Test

Ob Thymian, Brennnessel oder Pfefferminze: Viele Kräuter werden zu Arzneitees verarbeitet. Unser Test gängiger Husten-, Magen-, Blasen- und Beruhigungstees zeigt allerdings: Die Wirkung ist eher schwach, Schadstoffe sind hingegen die Regel.

Gegen alles ist ein Kraut gewachsen." Dieser Eindruck drängt sich zumindest beim Blick auf Arzneitees auf. Anscheinend wird fast alles zu Tee verarbeitet, was am Wegesrand wächst. Das Sortiment reicht von Arnikablüten über Eichenrinde bis hin zu Wermutkraut, aber auch Klassikern wie Kamille, Brennnessel, Schachtelhalm und Fenchel.

Der heimische Anbau nimmt sich bescheiden aus. In Deutschland werden die Kräuter vor allem in Thüringen, Bayern, Hessen und Niedersachsen kultiviert, auf einer Fläche von gerade einmal rund 10.000 Hektar, das sind nur rund 0,06 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche.

Die Masse der Kräuter wird importiert, viele stammen aus Wildsammlungen. Die aber haben einen großen Nachteil: Die Qualität der Rohware kann je nach Standort, Bodenbedingungen und Verarbeitung stark schwanken. Mindestanforderungen legt das Europäische Arzneibuch fest. Dazu zählen die Prüfung auf Identität und Reinheit sowie unter Umständen eine Gehaltsbestimmung relevanter Inhaltsstoffe.

Pfefferminz-, Kamillen- und etliche andere Tees gibt es sowohl in der Apotheke als auch viel billiger im Supermarkt zu kaufen. Gleich sind sie nur scheinbar. Denn die einen sind Arzneimittel, die anderen Genussmittel. Arzneitees müssen die im Arzneibuch vorgegebene Qualität erfüllen. So sollte arzneilicher Kamillentee nur Kamillenblüten, aber kein Kamillenkraut enthalten, arzneilicher Pfefferminztee nur Pfefferminzblätter, aber keine Stengelanteile. "Wenn man die Beutel aufschneidet und vergleicht, sieht man, was die Stunde geschlagen hat", erklärt Dr. Marcela Ullmann vom Komitee Forschung Naturmedizin.

Die Anwendung von Arzneitees erfolgt eher kurmäßig. Den Tee sorgfältig zuzubereiten, ihn dann schluckweise über den Tag zu trinken, kann entspannend wirken und dazu führen, die momentane Malaise viel positiver einzuschätzen. Geruch, Geschmack und die Wärme des heißen Aufgusses tragen ihren Teil zum Wohlbefinden bei. Gerade wenn sich die Beschwerden anbahnen oder bei an sich harmlosen Befindlichkeitsstörungen kann man mit der Einstellung "Abwarten und Tee trinken" zum eigenen Therapeuten werden (siehe auch Interview mit Dr. Thomas Rampp).

Wir wollten wissen, wie es um die Wirksamkeit und Qualität solcher Tees bestellt ist. Dazu hat ÖKO-TEST 23 Arzneitees eingekauft: je fünf Blasen- und Nierentees, Magen- und Darmtees und Schlaf- und Beruhigungstees sowie acht Husten- und Bronchialtees. Wir haben sie begutachten und auf Schadstoffe untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Bestenfalls aus Erfahrung gut. Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der untersuchten Tees werden im Wesentlichen aus der traditionellen Anwendung, ärztlicher Erfahrung und Anwendungsbeobachtungen abgeleitet. Moderne klinische Studien sind Mangelware. Wir stufen die Wirksamkeit der Arzneitees gerade noch als "wenig überzeugend" und nicht als "nicht nachgewiesen" ein, weil die Bedeutung des Rituals der Teezubereitung ...

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Arzneitees werden meist für folgende Anwendungsgebiete gekauft, die auch unser Testfeld vorgaben: Magen und Darm, Blase und Niere, Schlaf und Nerven, Husten und Bronchien. Aus jeder Gruppe haben wir fünf gängige Mittel in Apotheken, Drogerien, Reformhäusern und Naturwarenläden eingekauft; und - die Erkältungszeit steht vor der Tür - sogar acht Hustentees.

Die Pharmakologische Begutachtung

In der Volksmedizin sind viele Heilkräuter seit Jahrhunderten verwurzelt. Doch heilen Tees aus Baldrian, Minze und Co. tatsächlich? Was in modernen Therapiestudien überprüft ist, hat sich unser wissenschaftlicher Berater Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, Pharmazeutischer Chemiker an der Universität Frankfurt, angeschaut und seine Erkenntnisse in einem Gutachten zusammengefasst. Auch die Beipackzettel wurden einer kritischen Betrachtung unterzogen.

Die Schadstoffe

Sanft und natürlich bedeutet nicht automatisch auch frei von Schadstoffen. Wo Pflanzen in Kulturen angebaut werden, sind Spritzgifte nicht weit - das gilt auch für Arzneipflanzen. Viele Tees enthalten Süßholzwurzel, auf der Schimmelpilze häufig das Gift Ochratoxin A produzieren.

Die Bewertung

Nach unseren üblichen strengen Kriterien hätten Arzneitees eigentlich schlechte Karten, denn für sie sprechen fast nur Erfahrungsberichte. Allerdings werden die im Allgemeinen gut verträglichen Tees typischerweise bei leichten Befindlichkeitsstörungen eingesetzt, bei denen es übertrieben wäre, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Zu viele Schadstoffe können allerdings eine mehr oder weniger positive Bewertung in der Pharmakologischen Begutachtung in ein schlechteres Gesamturteil verwandeln.