Testberichte aus dem Archiv

Pflanzliche Arzneimittel, Venenmittel
Beinhart

Krampfadern sind nicht nur unschön, sondern auch gefährlich. In ihnen fließt das Blut langsamer, sodass es leichter gerinnen kann. Bei einer Thrombose verstopft ein solches Gerinnsel eine Beinvene: Das Bein schwillt an und schmerzt. Löst sich das Gerinnsel und gelangt bis in die Lunge, kann es für die Atmung lebenswichtige Adern verschließen und so eine Lungenembolie verursachen. Zwischen 7.000 und 8.000 Menschen sterben jährlich daran.
Eine Venenschwäche beginnt mit müden, schweren Beinen, die zudem durch Wasseransammlungen anschwellen können. Auch Fuß- und Wadenkrämpfe, Juckreiz und unruhige Beine plagen die Betroffenen. Krampfadern sind das häufigste Venenleiden, zirka 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung sind davon gezeichnet. Hohes Alter, Übergewicht und erbliche Veranlagung begünstigen ihre Entstehung.
Bei Venenschwäche entlasten Kompressionsstrümpfe das Gefäßsystem von außen; doch wenn im Sommer die Temperaturen steigen, bleiben sie oft in der Schublade. Auch Bewegung, sei es Schwimmen, Radfahren, Walken oder Laufen, aktiviert die Wadenpumpe und lindert die Beschwerden. Doch wenn Beruf und Familie keine Zeit dafür lassen, dann wird schon mal in Apotheken oder Drogerien nachgefragt.
Im ÖKO-TEST: 14 pflanzliche Venenmittel zum Einnehmen, die zur Behandlung von Beschwerden der Beinvenen wie Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen angewendet werden.
Das Testergebnis
13 der 14 Präparate schneiden mit "sehr gut" oder "gut" ab, nur eines fällt mit "mangelhaft" aus der Reihe.
Nach aktuellem Wissensstand sind Präparate zu empfehlen, die als Wirkstoff einen alkoholischen Trockenextrakt aus den Samen der Rosskastanie enthalten. In Studien konnten diese Extrakte nach 2- bis 16-wöchiger Einnahme nicht nur die Schmerzen in den Beinen, Wasseransammlungen und den Juckreiz verringern, sondern auch den Umfang der Beine vermindern. Die Mittel ergänzen in sinnvoller Weise andere therapeutische Maßnahmen, wenn diese nicht ausreichen, um einen beschwerdefreien Zustand zu erreichen.
Als wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoffe in Rosskastaniensamenextrakten gelten Triterpene, eine Gruppe von Verbindungen, deren Gehalt sich als Aescin berechnen lässt. Voraussetzung für einen positiven Effekt eines Venenmittels ist ein Aescingehalt von mindestens 100 Milligramm (mg) in einer Tagesdosis. Daher sollten Rosskastaniensamenextrakte auf Aescin standardisiert sein.
Bei den Aescuven forte, Dragees von Cesra fehlen Angaben zum Droge-Extrakt-Verhältnis und zum Extraktionsmittel. Diese sind unentbehrlich, um Aussagen über die Wirksamkeit von pflanzlichen Extrakten machen zu können. Denn die Art und Weise der Herstellung beeinflusst entscheidend die Zusammensetzung des Extrakts und damit dessen Wirksamkeit. Unabhängig davon wäre der in einer normalen Tagesdosis enthaltene Triterpengehalt mit 60 mg ohnehin zu niedrig.
Nicht so gut belegt ist die Wirksamkeit des Trockenextrakts aus rotem Weinlaub, der in den Antistax Venenkapseln steckt. Die Anwendungsdauer ist laut Gebrauchsinformation auf drei Monate begrenzt.
Positiv: In den Beipackzetteln aller getesteten Venenmittel wird darauf hingewiesen, dass sich auch ohne Arzneimittel viel zur Stärkung der Venen tun lässt. Sinnvolle vorbeugende Maßnahmen wie Wassergüsse, Stützstrümpfe oder Bewegung werden genannt.
Ärgerlich: Die Aescuven forte, Dragees enthalten immer noch den Weichmacher Dibutylphthalat. Die EU hat den Stoff als "fortpflanzungsgefährdend" eingestuft. Die Venostasin retard, Hartkapseln retardiert und die Plissamur, Dragees sind unter anderem mit dem Azo-Farbstoff Chinolingelb eingefärbt.

Dieser Artikel stammt aus dem Archiv von ÖKO-TEST. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Aktualität von Onlineinhalten.
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Bei diesem Testbericht handelt es sich um einen Auszug aus dem Archiv mit den in der Vergangenheit durch ÖKO-TEST veröffentlichten Tests. Die Tests können aufgrund nachstehender Umstände inzwischen überholt und damit unverwertbar sein:
- die jeweils getesteten Produkte sind nicht mehr auf dem Markt und/oder wurden verändert,
- aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse musste das Testurteil revidiert werden,
- neuere und/oder aktuelle gesetzliche Bestimmungen definieren testrelevante Untersuchungsverfahren oder zulässige Höchstmengen an Schadstoffen neu,
- aufgrund des neuen Standes der Technik müsste das Produkt anders bewertet werden.
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