Testberichte aus dem Archiv

Laktosefreie Lebensmittel
Mehr Spaß im Glas

Ein Glas Milch kann für Kristin Leucker zum Horrortrip werden: ein aufgeblähtes Gefühl, "es drückt von innen auf die Organe, als ob man schwanger wäre", Kopfschmerzen, Kreislaufbeschwerden. Manchmal kommen die Leiden schon nach 30 Minuten, manchmal erst nach Stunden. Was genau passieren wird, weiß sie aber vorher nie. Und wie es ausgeht erst recht nicht: Schon mehrmals ist die Heidelbergerin nach dem Genuss von Milchprodukten sogar in Ohnmacht gefallen.
Die Betreiberin der Betroffenen-Internetseite libase.de leidet unter Lactose-Intoleranz. Schon als Baby vertrug sie keine Muttermilch, später mied sie alles, was auch im Entferntesten mit Milch zu tun hatte. Im Alter von 16 Jahren brachte ein Test beim Arzt Gewissheit: Ihr Körper kann keinen Milchzucker aufspalten.
Der Verein für Lactoseintoleranz geht davon aus, dass etwa jeder siebte Deutsche Schwierigkeiten hat, Milchzucker aufzuspalten. In bestimmten Gegenden Ostasiens und Afrikas soll der Anteil derer, die keine Lactose verwerten können, sogar an die 100 Prozent heranreichen. Die Fähigkeit, Milch verwerten zu können, liegt in den Genen. Bevor der Europäer begann, Kühe zu halten, war es völlig egal, ob ein Erwachsener Lactose verwerten kann oder nicht. Wieso auch sollte Mutter Natur den Homo Sapiens dann mit der Fähigkeit ausstatten, Milch zu verwerten? Erst durch die Zivilisation und den zunehmenden Milchkonsum wurde Lactoseintoleranz zum wahrnehmbaren Problem. Heute, so hat man aber den Eindruck, ist Lactoseintoleranz allgegenwärtig. Fast jeder wird den einen oder anderen Bekannten haben, der Milch meidet oder nur die lactosefreien Milchprodukte verwendet, die sich in den Supermarktregalen immer mehr Platz erkämpfen. Doch nimmt die Zahl der Betroffenen wirklich zu?
Experten bezweifeln gar nicht die Zahlen, nach denen etwa zwölf Millionen Deutsche keine Lactose aufspalten können. Das heiße aber noch lange nicht, dass all diese Menschen auch wirklich einen Bogen um die Milch machen müssten. Aus ihrer Sicht gibt es Tausende, die zwar keinen Milchzucker aufspalten können, aber nie Probleme damit haben werden. Und wiederum gebe es Tausende, die Milchzucker prima aufspalten können, aber eine Befindlichkeitsstörung auf das Glas Milch zurückführen, das sie kurz zuvor getrunken haben. Neben den echten Lactoseintoleranten gibt es also auch eine Menge Menschen, die zwar Milch meiden, aber nie haben untersuchen lassen, ob sie sie wirklich nicht vertragen.
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